Zwitter

Donnerstag, 28. Februar 2008

Selbstwahrnehmung

Ich bemerke, dass ich im letzten halben Jahr ein Stück weitergekommen bin. Oder soll ich doch besser "es hat sich etwas geändert" sagen.
Weiblich sein heißt für mich schminken, BH tragen, feminine Kleidung tragen, hohe Schuhe lieben, einmal im Monat bluten und immer furchtbar weibisch emotional-hysterisch sein. Ja, das ist das Bild, dass mir Frauen Zeit meines Lebens vermittelt haben. Das ist das Bild, dass ich selber versucht habe zu erfüllen. Erfüllen? Ansatzweise. Jedenfalls habe ich vor langer Zeit mir Wimperntusche experimentiert und über Jahre einen BH getragen (der funktionell gesehen jedoch völlig unnütz war). Alles andere lag mir immer sehr fremd. Lange getraute ich mich keine "männliche" Kleidung zu tragen, es wäre ja vielleicht zu offensichtlich, dass ich keine Frau bin (man beachte dieses Paradoxon), dachte mir, dass mich die Leute dann für eine Transsexuelle halten und ich verspottet werde. Schlimmer als intersexuell zu sein war nämlich der Gedanke, dass ich für transsexuell gehalten werde, das wäre dann eine Art offenes Tabu, also das genaue Gegentleil von Intersexualität. Und doch ging es die ganze Zeit über nur um das Ignorieren des Offensichtlichen, meine offensichtliche Intersexualität, die ins Auge sticht. Heute sehe ich selber in den Spiegel, bemerke, dass das Weiche in meinem Gesicht verschwindet und statt dessen kantige Gesichtszüge hervortreten. Mein Haar ist kurz und ungestylt, nach drei Stunden nervenaufreibender Arbeit am Computer sehe ich aus wie Mogli nach dem Waldbrand. ES IST MIR EGAL. Auch den BH, die Maske der auferlegten Weiblichkeit, trage ich nicht mehr, wozu auch - er hat ja keine Funktion. Jahrelang hatte ich einen regelrechten BH-Zwang. Konnte ohne gar nicht auf die Straße gehen, weil ich mich nackt fühlte. Ich musste mich ausstopfen um Frau zu sein. Was für verrückte Zeiten.
Ich werde immer mehr zum Zwitter, doch umso mehr sich mein Äußerliches zu wandeln scheint, desto weniger fühle ich mich als solcher. Nehme meine Geschlechtlichkeit (Gender) nicht mehr war und wenn, dann nicht als Zwitter oder Frau, sondern als Kerl. Ich kann nicht anders als wie ein Gorilla laufen, mein Habitus ist definitv kein weiblicher. Ja, ich beschreibe mich schon wieder selbst und ja, das ist ziemlich bescheuert, aber die letzten Tagen kam mir einfach die Erkenntnis, dass sich meine Selbstwahrnehmung doch wieder sehr gewandelt hat. Die ist nämlich nicht fix, sondern wirklich sehr variabel. Eben irgendwo zwischen männlich und weiblich, aber es ist klar, wo das ganze hinlaufen würde, wenn es möglich wäre und ich denke, dass die nächsten Jahre meines Lebens mit der Arbeit verbunden sein werden, dass ich akzeptieren muss, dass ich als XY-Frau so bin wie ich bin und sich daran rein gar nichts ändern lässt. Eines Tages werde ich das akzeptieren können, doch heute ist noch nicht der Tag dafür.

Sonntag, 25. November 2007

...

Wie abgeschlossen kann eine abgeschlossene Geschichte wie die diese eigentlich sein?
Ich spiele mit dem Gedanken der ganzen Sache den Rücken zu zuwenden und die Fliege zu machen. Intersexualität ist heute noch mehr in den Hintergrund gerückt als sonst. Da ist jetzt wirklich gar nichts mehr was drückt. Gar nichts. Ich mag mich, diesen Körper, diese Chromosomen und diesen Menschen, der ich sein soll. Ich kann in den Spiegel blicken und sagen: He, das bin ich und das ist gut so. Ich kann über die Unmöglichkeit Mann zu sein sinnieren ohne dass es schmerzt. Ich fühle mich Jenseits der Geschlechter, ich fühle mich als Mensch. Geschlechtslos?
Geschlecht spielt schon lange keine Rolle mehr für mich. Auch wenn ich Hormone und Pheromone in Tonnen produziere/zuführe, fühle ich mich deswegen nicht männlicher oder weiblicher. Es scheint ganz so, als hätte ich meine Befreiung außerhalb des Bipolaren gefunden. Nein, nicht im dritten Geschlecht, nicht als intersexueller Mensch, außerhalb dieser ganzen Normiererei. Kein Graubereich, keine verschwomme Zone, sondern außerhalb dieses ganzen Denkens. Ich bin keine Gruppe. Da wo ich stehe, spielt all das keine Rolle mehr. Der Geschlechterhimmel sozusagen. *g*
Und so ist es wohl verständlich, dass ich mich gerne aus deisem ganzen Intersexkram zurückziehen möchte, doch das ist wohl nicht so leicht, immerhin habe ich mir die letzten Jahre so einiges an Arbeit angetan, die ich heute wohl nicht mehr so einfach los werde. Es wäre schön zu sagen: "Könnte das bitte jemand übernehmen, ich mag nicht mehr", aber so einfach ist es nicht. Naja, warum sollen andere Menschen nicht von meiner derzeitigen inneren Ruhe und Verfassung profitieren können... mal sehen.

Und die Message des Tages:
Intersexuell sein ist auch sau schön, wenn man es schafft dieses Leben annehmen zu wollen. So was geht natürlich nicht von heute auf morgen und ich habe auch viele Jahre früher damit anfangen können, als viele andere, doch es lohnt sich über seinen Schatten zu springen und die Sache in Angriff zu nehmen. Es ist nie zu spät.

Freitag, 26. Oktober 2007

Heute ist Welt-Intersex-Tag

Wie jedes Jahr am 26. Oktober ist auch heuer wieder der internationalen Tag der intersexuellen Menschen ausgerufen worden.

Ein paar Gedanken:
  • Noch immer werden jeden Tag Kinder für die Norm des Geschlechts verstümmelt.
  • Noch immer ist Intersexualität in der Gesellschaft ein Tabu von solcher Größe, dass es Betroffenen noch immer schwer fällt aus der Isolation heraus zu treten, weil sie das Gefühl haben sich zu outen.
  • Eugenik gewinnt in einer von Perfektionismus getriebenen Gesellschaft immer mehr an Stellenwert. Die pränatale Diagnostik ermöglicht die Ermordung von zwischengeschlechtlichen Menschen vor ihrer Geburt. Es gibt keine Zahlen, aber es wird uns bald nicht mehr geben.
Nichts desto Trotz, hat sich auch viel getan.
  • Eine kleine Gruppe von Menschen steht auch heute wieder auf der Straße und leistet großartige Öffentlichkeitsarbeit, verteilt Flyeer und mach Aufmerksam.
  • In den letzten Jahren wurden eine Fülle von Veröffentlichungen, nicht nur von unserer Seite, getätigt, die mehr waren als nur ein Troßfen auf den heißen Stein. Pressemitteilungen, Reportagen, Interviews, Filme, Radiosendungen - es wurde viel gemacht und geleistet. Intersexualität ist weniger Tabu als noch vor 10 Jahren. Eltern werden besser informiert und haben heute die Möglichkeit sich umfassend von Menschen beraten zu lassen, die selbst mit der Sitation konfrontiert sind.
Es hat sich schon viel getan, doch es gibt noch so viel zu tun. Die nächsten 10 Jahre sind wahrscheinlich entscheidend für die Zukunft der nächsten Generationen. Ich bin gespannt und danke an dieser Stelle all jenen Menschen, die sich jeden Tag aufs Neue in hinein knien und so großartige Arbeit leisten. Weiter so!

Montag, 15. Oktober 2007

Die dunkle Seite der Macht

Mich pisst der ganze Aktivistenkram zunehmend an. Nicht, dass ich einer wäre, aber ich lese in Foren und Weblogs und verfolge Veröffentlichungen in Zeitschriften und anderen Medien.
Etwas ist mir schon sehr früh beim Aktivistentum aufgefallen: Es gibt kein Mittelmaß, denn hinter jedem Baum lauert der Feind und alles endet irgendwann im finalen Kampf zwischen Gut und Böse (wobei nicht ganz sicher ist, wer wer ist). Da kämpft dann der Zwitter Lingling gegen irgend einen Medizinergeist und die bewerfen sich dann solange mit Feuerbällen und Stromschlagblitzen bis einer Tod umfällt. Der Faktor "Mensch" und "Mensch macht eben Fehler" wird vollkommen ausgeblendet. Der Anspruch des Mensch seins wird nur noch für die eigene, die "gute" Seite, beansprucht. Die anderen sind böse und haben keine Seele. Lingling lässt grüßen.

Jeder Fehler ist fatal, aber nicht, weil er nicht wieder gut zu machen wäre, sondern weil man defakto nicht aus seinen Fehlern lernen darf. Wer einmal etwas falsch macht ist böse und wer einmal böse ist, bleibt immer böse. Die Möglichkeit der inneren Einsicht, des Wandels und der Revidierung der eigenen Meinung ist nicht erlaubt. So ein Verhalten kenne ich eigentlich nur aus Gangs und aus fanatistischen (religiösen) Gemeinschaften.
Greenpace, AI und wie sie alle heißen sind da auch nicht anders als die IS Aktivisten, also werf ich jetzt pauschal alle in einen Topf. Aktivist ist Aktivist. Oder besser gesagt. Es ist ein schmaler Grad vom "Aktivisten mit kühlem Kopf " zum "Aktivisten mit Fundiparolen".

Ein Beispiel, das mir heute in den Sinn gekommen ist:
John Money galt als herausragender Sexualwissenschaftler und Psychologe. Leider beging er einen faltalen Fehler, indem er glaute, dass man aus Jungs ohne weiteres Mädchen machen könne und somit das Leben von Bruce Reimer zerstörte, der sich schließlich sogar umbrachte. John Money war sich seines Fehlers sicher bewusst und ich frage mich, was wohl die letzten zwei Jahre seines Lebens in seinem Kopf vorging, nach dem sich Bruce Reimer umgebracht hatte.
Jedenfalls hat es John Money geschafft zum Teufel in der Intersexbewegung hochsitilsiert zu werden. Er ist die Keimzelle des Bösen, quasi ein medizinischer Bin Laden. Aber für mich ergibt sich da ein Konflikt:
Wie kann es sein, dass sich Menschen, die chromsomal männlich sind, aber weiblich sozialisiert wurden, wohl fühlen und sich nicht, so wie Bruce Reimer, das Leben nehmen. Wie kann es sein, dass sich eine XY-Frau als Frau fühlt? John Money hatte unrecht. Es ist nicht möglich ohne weiteres aus einem Mann eine Frau zu machen. Die Chancen, dass es funktioniert liegen vielleicht bei 50%, vielleicht auch irgendwo ganz anders. Untersuchungen hierfür gibt es sicher nicht. Es liegt also auf der Hand, dass es besser ist, wenn das Kind am Anfang der Pupertät selber entscheiden kann, wie es leben will und von Geschlechtszuweisungen im Kindesalter abgesehen wird (Das muss ich nun wohl expliziert klarstellen).

Ehrlich, mit tut John Money leid. Er musste damit leben, dass er tausenden das Leben ruinierte und so manchen in den Selbstmord getrieben hat und dabei war er sich keiner Schuld bewusst. Er tat das, weil es es für richtig und gut hielt, weil er dachte, dass er so das Leben seiner "Patienten" in eine positive Richtung bewegen kann. Die Einsicht, dass das genaue Gegenteil eingetreten war, dass er das Leben nahm, dass alles ein fataler Irrtum gewesen ist muss doch erschlagend gewesen sein. Wie fühlt er sich wohl? Wahrscheinlich elend.
Aber das zählt für einen Funivisten nicht, denn da gibt es nur Schwarz und Weiß und Gut und Böse. Wer Fehler macht ist böse und wer zugewiesen wurde, muss unglücklich sein, denn Glück darf es für einen Aktivisten keines geben, sonst müsste er ja nicht aktiv werden.

Montag, 8. Oktober 2007

Was war denn das jetzt?

Ok, ich weiß nicht, ob ich mir langsam Sorgen machen muss. Menschen sind unverschämt, das ist ja soweit bekannt, und so höre ich seit neustem permanent, jedesmal wenn ich auf die Straße gehe, im vorbeigehen hinter meinem Rücken "War das ein Mann oder eine Frau". Zugegeben, meine Haarpracht ist zur Zeit kürzer als üblich und ich habe auch nicht viel für Schminke übrig, aber das war schon immer so und es kam immer wieder einmal vor, dass sich jemand unsicher war, weil ich einfach rein optisch nicht in die Frauenschublade passe. Aber die jetztige Ausmaße meiner scheinbar verwirrenden Geschlechtsidentität kann ich nicht nachvollziehen. Ich sehe wie immer aus. Vielleicht liegts ja daran, dass ich einige Kilos verloren habe und meine hohen Wangenknochen wieder stärker zum Vorschein kommen, vielleicht liegts aber auch daran, dass ich mir die Augenbrauen nicht in sadomasomanier airodynamisch zurechtzupfe. Echt, es ist mir ein Rätsel, warum ich die Menschen auf einmal so verwirre. Sind es meine männlichen Pheromone? Macht mich Testosteron männlicher, auch wenn es keine körperlichen Auswirkungen hat? Lässt ein kurzer Haarschnitt von vornherein auf einen Mann schließen?

Früher sind das für mich absolute Horrorszenarien gewesen. Heute schmunzle ich darüber (freue ich mich sogar?), aber einen kleinen Stich versetzt es mir noch immer: Schließlich ernte ich immer sehr verächtliche Blicke, manche rümpfen sogar die Nase und ich fühle mich für eine Sekunde ganz erbärmlich und klein. Das sind alte Verahltensmuster, die ich bis zum heuteigen Tage noch nicht durchbrochen habe.

Na dann,

Grüße von der/die/das Interlife

(als ob ich wie ein Mann aussehe, das sind doch Wunschvorstellungen)

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Aktion T4 im Jahr 2007

Viele interseuxelle Aktivisten kämpfen gegen geschlechtszuweisenden Operationen an intersexuellen Kindern. Das ist auch schön und recht, doch meiner Meinung greift diese Vorgehensweise einfach zu kurz. In einigen Jahren, wird es nämlich so oder so keine geschlechtszuweisenden Operationen mehr geben, da keine zwischengeschlechtlichen Menschen mehr das Licht erblicken werden.

Die Gründe dafür liegen in der Pränataldiagnostik und der eugenischen Indikation.

Eugenische Indikation:
Laut Paragraph 97 des österreichischen Strafgesetzbuches, darf eine Schwangerschaft bis einen Tag vor der Geburt straflos abgebrochen werden, wenn
  • medizinischer Indikation, um eine ernste Gefahr für das Leben oder einen schweren Schaden für die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren abzuwehren, und bei
  • embryopathischer (eugenischer) Indikation, wenn eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein wird.

Was heißt das nun?
Einerseits könnten in Zukunft durch dir Pränataldiagnostik zwischengeschlechtliche Kinder schon im Mutterleib "behandelt" werden. Das geschieht heute beispielsweise schon bei AGS.
Andererseits könnten intersexuelle aber auch zerstückelt, abgesaugt und entsorgt werden, falls keine Aussichten auf "Heilung" bestehen.
Mir dreht sich bei dem Gedanken der Magen um.

Seit Jahren kämpfen österreichische Behindertenverbände gegen diesen Paragraphen im Strafgesetzbuch und auch viele Politiker haben dieses Gesetz schon offen angeprangert, doch es geschieht einfach nichts.

In Österreich gibt es keine offizielle Abtreibungsstatistik, die Zahlen der ermordeten Kinder bleiben also unter Verschluß. Offiziell heißt es, dass es nur sehr selten und in extremen Fällen zur eugenischen Indikation kommt, vor allem, weil sich erst einmal ein so gewissenloser Mediziner finden muss, der ein vollentwickeltes und überlebensfähiges Kind zerfleischt, aber ob dem wirklich so ist ... darüber darf spekuliert werden.

Eine ehemalige Schulkolegin war mit einem mehrfach behinderten Kind schwanger. Das Kind hatte keine Überlebenschancen und wäre nach Prognose der Ärzte wenige Wochen nach der Geburt verstorben. Da sie die 12 Schwangerschaftswoche allerdings schon überschritten hatte und die Fristenlösung nicht mehr in Frage kam, griff sie auf die eugenische Indidaktion zurück. Jedoch fand sich in Österreich kein einziger Arzt, der das Kind im vierten Monat abtreiben wollte und so entschied sie sich das Kind in Deutschland, wo die Gesetzeslage ganz ähnlich ist, zu töten.

Zwei Mitstudenten sprachen von einer Bekannten, die mit einem Kind mit dem Down-Syndrom schwanger war. Auch sie war schon über der 12 Schwangerschaftswoche und lies das Kind abtreiben, weil sie kein behindertes Kind auziehen wollte.
Kommentar der Studenten: Zum Glück gilt die Fristenlösung bei Behinderten nicht!

Mir sind Fälle indikativer Eugnik bekannt (nicht in Österreich), bei denen schon Kinder mit "kosmetischen Mängeln" ermordet wurden, die aber in der heutigen Zeit für die moderne Medizin kein Problem mehr darstellen. Ich spreche von Hasenscharten, überzähligen Fingern und Zehen.

Die Bestreben manche Länder gehen klar in die Richtung der eugenischen Indikation im Umgang mit Intersexuellen. Man möge sich nur schon einmal vorstellen, was das Geld kostet, wenn nach der Geburt keine geschlechtsangleichende Operation durchgeführt werden muss!
Intersexualität wird immer häufiger. Beides, euginische Indikation und Intersexualität sind absolute Tabuthemen. Es gibt keine Statistiken, so ist es leicht alles unter den Tisch zu kehren. Wie viele Kinder dürfen nicht das Licht der Welt erblicken, weil sich nicht in das gängige Zweigeschlechtersystem passen?
Ist es denn so schwer zu begreifen, dass auch wir eine Existenzberechtigung haben?

(Schon vor zwei Jahren habe ich zu diesem Thema einen Beitrag verfasst: Ermordung von Kindern

Interessant ist vor allem dieser Link:

Die Ausmaße de Fetozids

Dienstag, 2. Oktober 2007

Hermaphroditische Küsse

von Curtis E. Hinkle

Ich schaue dich zum ersten Mal an
Du senkst deine Augen, der kleine schüchterne Bursche
Und behutsam lächelst du und ich nehme deine Hand
In meine - zwei hermaphroditische Hände

Ich nehme dich in meine Arme und drücke dich an mich
Dich den kleinen Burschen mit der Porzellanhaut
Weich wie Samt - Es verursacht mir Schauer
Und ich das grosse Mädchen mit einem Bart

Ich spüre dich schliesslich in meine Arme sinken
Unsere zwei Körper singen in Einklang
Ich lege meine Lippen auf deine
Zwei elektrische Körper - zwei funkelnde Seelen

Ein langer Kuss, einer auf den wir so lange gewartet haben
Zwischen zwei Hermaphroditen die sich endlich finden
Und ich flüstere zärtlich in dein Ohr
Ich liebe die Jungen die Mädchen sind...

Die Mädchen lieben die Jungen sind.

Es gefällt, wahrscheinlich, weil es eben so echt und natürlich und ohne jeden Pathos daher kommt.

Hilfe - ich bin eine Frau

Letzte Nacht hatte ich eine Albtraum und als ich aufwachte, war ich mir gar nicht sicher, ob das nur ein Traum war oder eine Begebenheit aus meiner Kindheit. Nach 10 Minuten war ich mir dann aber doch recht sicher, dass es ein Traum war.

Im Traum erzähle ich meine Eltern, dass ich geträumt hatte, dass man mir als Kind eine Neovagina verpasst hätte und ich in Wirklichkeit das MRKH Syndrom hätte (Das sind die, die den lieben langen Tag betonen, dass sie doch richtige Frauen sind und bei denen die Neovagina die Antwort auf alle Probleme ist).
Meine Eltern fanden den Traum allerdings gar nicht so witzig wie ich und schauten mich schockiert und stumm, mit weit aufgerissenen Augen auf. Ich - natürlich schockiert, dass es kein Traum war, sondern die Realität - flippe total aus und die ganze Aufarbeitungsgeschichte beginnt von neuem. Ich stelle meine Identität in Frage und bin plötzlich wieder 14.

Interpretation:
Ich bin froh nicht das MRKH Syndrom zu haben, weil ich dan vielleicht Neovaginas toll finden würde und mich den lieben langen Tag in meinem Frau sein bestärken würde (Das hab ich von 14 - 17 gemacht und es machte mich kaputt. Versuchen einer Rolle zu entsprechen, die man nie erfüllen kann, ist nicht gesund - für mich zumindest).

Das ganze könnte aber auch bedeuten, dass ich Angst habe, dass meine Selbstwahrnehmung ein Trugbild ist oder auf falschen Annahmen beruht. Dem ist natürlich nicht so.

Vielleicht ist es aber auch ein innerer Groll, den ich gegen meine Weiblichkeit hege und in nun versuche zu kompensiern, indem ich einen fiktiven Sündenbock schaffe.

Montag, 24. September 2007

Erwachen

Um die Erkenntniskette fortzusetzten...

Das meine männliche Seite seit einigen Monaten überhand nimmt, ist mittlerweile bekannt, doch nun scheint der Mann vollkommen durchgebrochen zu sein. Die Frau in mir scheint nur ein Produkt einer fehlgeleiteten Sozialisation zu sein, die durch jahrelanges Einnehmen von Östrogenen aufrecht erhalten wurde.

Und so hat ein unbewusster Wandel eingesetzt:
Meine Selbstwahrnehmung würde ich zwar immer noch als zwischengeschlechtlich bezeichnen, weil ich kein anderes Wort dafür finden kann, vielleicht aber auch, weil ich nicht weiß, wie eine weibliche oder männliche Selbstwahrnehmung ausschaut, aber mein Verhalten, mein Auftreten oder auch mein Habitus ist ein anderer. War ich früher noch zwanghaft in die Aufrechterhaltund des Scheins, als Frau wahrgenommen zu werden, verfallen, so scheine ich mich langsam in die genau entgegengesetzte Richtung zu entwickeln, nein nicht die männliche, aber die "Ich bin eindeutig uneindeutig" - Richtung. Ich scheine es geradezu darauf anzulegen gefragt zu werden, ob ich ein 15 jähriger Bursch bin oder eine 24 jährige Frau bin. Nichts von beidem stimmt, aber es macht Spaß, dass ich als Bursche wahrgenommen werde. Immerhin war das früher ein enorm großes Problem und mit Leid und Depressionen verbunden. Jetzt schlägt das in das genaue Gegenteil um.

Wohin wird mich diese Entwicklung führen...
Man sagt, es ist leichter, wenn man eindeutig ist und in der Tat ist es wirklich unkomplizierter, aber es fühlt sich nicht echt an. Es bleibt eine Maske. Die wahre Freiheit für mich, und das wird mir immer öfter bewusst, liegt für mich in der Auslebung meiner Uneindeutigkeit. Das Irritiert zwar und beansprucht auch Toleranz gegenüber unwissenden und verwirrten Mitmenschen, aber es ist für mich der einzige Weg zu einer Authenzität und einem Leben in der Realität.

Dieser "Meinungswandel" stößt wahrscheinlich auf ziemliches Unverständnis, aber ich kann mich eben nicht umkehren. Das habe ich lange genug versucht.

Sonntag, 23. September 2007

Multisexuell

In den letzten Wochen und Monaten hat sich viel getan und mir ist sehr viel bewusst geworden. Einges, was Jahre lang verdrängt wurde, kam an die Oberfläche und beanspruchte ziemlich viel Zeit. So viel Zeit, dass ich mir ein kleine Außzeit gönnte und mal einfach so die Diplomarbeit "beabsichtigt" in den Sand setzte. Ich hab das wirklich gebraucht.

Unter anderem ist mir klar geworden, dass meine sexuelle Orientierung eigentlich nichts anderes als eine Fixierung war. Es war nichts anderes als der pure Penisneid. Der Ekel gegenüber dem weiblichen Geschlecht ist auf den Ekel der eigenen Geschlechtlichkeit zurückzuführen, auch wenn sich das nur sehr subtil und unterbewusst zeigt.
Nachdem mir diese Erkenntnis wie Schuppen von den Augen gefallen war, erkannte ich, dass ich gar keine sexuelle Orientierung habe und der Satz "Ich liebe Menschen" fühlte sich auf einmal ganz anders an. Eine neue Tür wurde aufgestoßen, doch um diese Tatsache zu akzeptieren brauchte ich einige Monate. Nun ist es endlich raus und ich fühl mich gut dabei.

Der Rest folgt...

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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schlepp - 26. Mrz, 20:40
Aufrecht.
Irgendwann wurde es einfach langweilig intersexuell...
interlife - 24. Mrz, 20:14

Wolken im Glas


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