Testo-Tagebuch
Nach einem Jahre T,
zieh ich heut mal wieder Resumé,
denn Schwabel und Hitzewallung sind längst passé
(Hach, das reimt sich ja!)
Körperlich, ach welch Wunder bei CAIS, hat sich nicht die Bohne getan. Der blonde Bart ist so rar und so unauffällig und so nicht existent, dass er nicht zählt. Wohl aber zählen die 10 Kilo, die ich nun weniger mit mir rumschleppe. Nur noch fünf, dann bin ich wieder fettfrei, ein Lightprodukt sozusagen. Testosteron ist also DER Fettburner und die Haut straft sich wunderbar. Yea ich bin so was von sexy! *räusper*
Seelisch bin ich ausgeglichener und ruhiger. Meine Niederlagen hab ich gut weggesteckt. Meine wunderbare Melancholie (meine Muse) ist mir abhanden gekommen. Dieses "ich ruhe in mir selbst" ist so was von fad, ich sollte das Testosteron wieder absetzten und mit Östrogen anfangen. Dann wär mal wieder ein bissche Würze im Alltag. So nach dem Moto "Selbstmitleid fressen Depression auf" oder "Ich verstümmle mich nun selbst und schneide mir die Zehennägel". Jaja, mir geht es viel zu gut und daran ist nicht nur das T schuld.
Also nach einem Jahr kann ich nur sagen, dass es mir blendend geht. Zuvor legte ich exponential (Steigerungsquotient = 10^5) Gewicht zu, wurde von Hitzewallungen geplagt und war psychisch so instabil wie Plutonium vor der Kernschmelze.
So, genug der Werbung.
interlife - 18. Dez, 22:03
Testo-Tagebuch
Ich glaub ich bin wieder (besser gesagt: komme) in der (die) Pupertät.
Nein, ich glaube nicht, ich bin mir sicher, anders kann ich all das, was momentan gerade geschieht, nicht einordnen. So sind nur pupertäre Kids. Naja, besser zu spät als nie. Wird doch auch Zeit, dass ich erwachsen werde. (Infantiler Insiderscherz)
Was stelle ich als nächstes an? Färbe ich mir die Haare Pink? Lege ich mir ein Intimpircing zu? Fange ich an gegen meine Eltern zu rebelieren? Werde ich noch zum Schulverweigerer (wird in meiner Position sicher sehr interessant "nein, ich weigere mich euch etwas beizubringen und Tests könnts selber korriegieren"). Höre ich wieder auf zu schreiben? Muss ich seit neustem jeden Scheiß zwanghaft festhalten? Woher die Schreibwut? Warum so irsinnige Fragen?
Morgen früh wach ich mit Pickel übesäht und fettigen Haaren auf, ich sehs schon kommen, das ist erst die Spitze des Eisbergs. Ich sollte mich in ein Bootcamp einweisen lassen.
interlife - 1. Sep, 01:00
Testo-Tagebuch
Was passiert, wenn ich für eine Woche das Testosteron nicht abends sondern am Morgen draufklatsche?
1. Mein Hormonzyklus gerät vollkommen aus den Fugen.
2. Mir geht mal einfach wieder nur elend.
3. Ich werde sehr aggressiv und ungehalten gegenüber jedem und allem.
4. Meine Lymphdrüsen tun mir weh.
Warum hab ich mich zu diesem Experiment verleiten lassen?
Naja, ein guter Freund meinte, dass er das Testosteron am Morgen raufschmiere, da er sich dann, seiner Meinung nach, frischer fühlt, außerdem, und das stimmt auch, erreicht der männliche Testosteronspiegel seine Spitze um zirka vier Uhr morgen.
Gut, dachte ich, das probier ich auch mal aus. Nachträglich wäre es wohl besser gewesen, wenn ich mich zuerst wie immer selber schlau gemacht hätte, denn in Wirklichkeit schaut die Sache doch etwas anders aus.
Der Beipackzettel empfielt das Testogel morgens zu verwenden, weil wenn man morgens zur Arbeit fährt, ist eine Übertragung durch Körperkontakt nicht so leicht möglich. Immerhin kann bis zu 6 Stunden Testosteron über die Haut übertragen werde. Schmiert man es am Abend, könnte das passieren, dass die Freundin eines Tages mit einem Bart aufwacht. (Wäre sicher ein lustiges Schauspiel)
Um aber einen zyklischen und geregelten Hormonhaushalt zu erreichen, muss man das Testosteron in den späten Abendstunden, bei mir jeden Tag um 22 Uhr, raufklatschen. Damit fühl ich mich auch wohl und gut und super und stabil.
Testosteron am Morgen? Vergiss es!
interlife - 26. Aug, 11:07
Testo-Tagebuch
Manchmal kommt es vor, dass ich diese Anfälle wieder bekomme.
Ich wache morgens auf und bin mies gelaunt. Gleich danach überkommt mich ein unheimlicher Durst, mein Kreislauf spielt verrückt und mir ist schwindelig. Ich habe einen riesen Frust und möchte den ganzen Tag im Bett vergringen.
Und dann fällt mir ein wann es mir zum letzten Mal so ergangen ist, nämlich im November letzten Jahres als ich noch kein Testosteron schmierte.
Manchmal vergesse ich gleich einige Tage hintereinander das Testosteron auf meinem Astralkörper (hä hä) zu verteilen. Nur schon nach zwei Tagen habe ich dann wieder Hitzewallungen und diesen Psychoscheiß. Sobald ich es dann nachträlich nehme geht es mir nach zwei Stunden wieder blendend.
Ich hätte mir nie gedacht, dass die Auswirkungen auf den Körper so extrem sein würden, wenn ich das Testosteron vergesse. Beim Östrogen wars ja auch nicht so, da hat der ganze Scheiß erst Monate nach der letzten Tablette eingesetzt. Naja, mittlerweile bin ich wieder vollkommen Tesoisiert und es geht mir wieder blendend. Fast wie Antidepressiva.
interlife - 21. Jul, 10:39
Testo-Tagebuch
Ich frag mich, ob mein etwas chaotischer Hormonstatus vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass ich meine Haut vor dem Auftragen des Gels immer erst mit einem kalten nassen Lappen reinige. Wenn ich nämlich dann bauchfrei und vollkommen testoisiert durch die Wohnung tolle, bis das Gel eingezgen ist, ist meine gefühlte Hauttemperatur nämlich weit unter 30 Grad. Gibts ein Gerät mit dem ich meine Hauttemperatur messen kann? Bei meinem temperatursensetiven Androgenrezeptor wäre es nämlich möglich, dass da auch noch was anderes als Östrogen metabolisiert. Das wäre dann auch eine Erklärung für den Hormonstatus und ein paar andere äußerst merkwürdige (begrüßenswerte) Veränderungen.
interlife - 26. Apr, 09:03
Testo-Tagebuch
Heute morgen meinte meine Mutter: "Inti dir wächst glaub ich ein Bart!"
Ich muss dazusagen, dass ich immer schon etwas stärker behaart war, denn ich habe das Haargen meiner Großmutter geerbt. Die ist mittlerweile 82 und hat wirklich einen Vollbart. Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die 3 - 4 cm lange Haare im Gesicht hat. Meine Großmutter hat das und ich scheinbar auch, nur sind meine Haare nicht 4 cm lang sondern kürzer und strohblond. Heißt: man sieht sie nicht.
Bisher sind diese Haare auch immer sehr unkontrolliert gewuchert, mal da ein paar und da mal ein paar. Aber nun scheint sich das zu verändern. MIR WACHSEN BLONDE KOTLETTEN! Ich gebe zu, dass mir das nicht ungelegen kommt. Aber irgendwie auch nicht verwunderlich, denn trotz der Tatsache, dass ich ja eigentlich CAIS bin, steigt mein Östro trotz dem vielen Testo nur unwesentlich an.
Bin mal gespannt wie das nun weitergeht.
interlife - 23. Apr, 10:00
Testo-Tagebuch
Dann, wenn man denkt, dass es vorbei ist, es nichts mehr zu sagen gibt und man glaubt an einen Punkt zu kommen, von dem an sich nichts mehr ändern wird, ja dann kann man sicher sein, dass das Karusell von neuem Schwung bekommt. Sich wieder beginnt zu drehen und seine jauchzenden Passagiere hoch in den Wind jagt.
Vor einem Monat habe ich den Entschluss gefasst hier nicht weiter zu bloggen. Meine armen Leser wissen ja, dass ich schon einige Bloggentzüge hatte, aber keiner war so endgültig wie der letzte. Ich schien wirklich an einem Ende angekommen zu sein.
Doch nun ist wieder alles anders. Oftmals konntest du, mein aufmerksamer Leser, zwischen den Zeilen herauslesen, dass ich in meiner Rolle als "weiblicher Zwitter" (ich hasse diesen Begriff), nicht sehr glücklich war, aber was blieb mir anderes übrig als in diesem Zustand zu verbleiben? Egal wie brav ich auch Testosteron schmiere, aus mir kann aufgrund meiner kompletten Androgenresistenz kein Ivan werden.
Drei Wochen ohne zu bloggen vergingen und es ging mir nicht einmal ab, ich war glücklich und zufrieden. Ich beschäftigte mich nicht mehr mit der Thematik und es ging mir gut so.
Vor einer Woche hatte ich dann wieder einen dieser interlifschen Anfälle, vielleicht lage es auch am vielen Testo, vielleicht auch daran, dass ich wirklcih drei Wochen lang nicht mehr zwanghaft versuchte stumpfsinnige Beiträge zu verfassen. Auf jeden Fall brach es aus mir heraus und zwar so stark wie noch zuvor: Diese unglaubliche Unzufriedenheit, diese Frustration als Frau wahrgenommen zu werden, diesen weiblichen Körper zu haben.
In kleinen Schritten tastete ich mich voran. Besuchte verstohlen Transmännerforen, musste mir aber permanent schmerzlich klar machen, dass ich nie so sein kann. Ich nie Bartwuchs haben werde. Ich nie MANN sein könnte. Ach, wie tat das weh! Und wiedereinmal begann ich mein Schicksal als gegeben hinzunehmen. Seit langem hatte ich wieder einmal das Gefühl die Arschkarte gezogen zu haben.
Und dann passierte es. Ein Ausweg, eine Möglichkeit an die bisher scheinbar kaum jemand gedacht hat, weil diesen Weg vielleicht auch noch nie jemand mit meiner Diagnose gegangen ist und weil es auch nicht ungefährlich ist. Es ist möglich durch das Hormon DHT auch mit CAIS eine Vermännlichung hervorzurufen. Die Frage ist nur mit welchem Ergebnis. Noch dazu ist dies nicht ungefährlich: Alle Haare könnten mir ausfallen!
Nun bin ich hin und her gerissen, grüble und grüble und werde dies auch noch die nächste Zeit tun. Wiege ab was dafür und was dagegen spricht. Furcht contra Befreiung.
- Ich bin jung.
- Ich könnte neu anfangen.
- Ich könnte endlich so sein, wie ich sein sollte.
- Ich habe Angst.
- Mein so schönes fades Leben würde total aus den Fugen geraten.
Ich meld mich wieder. Scheinbar bekommt das Leben genau dann eine Wendung, wenn man es am wenigsten erwartet.
Wie's weitergeht und was ich nun tun werde, ob ich überhaupt etwas tun werde, lass ich euch fürs erste wieder aus meinem Blog erfahren.
Grüße,
Interlife
interlife - 21. Apr, 00:46
Testo-Tagebuch
Heute Mittag war ich wieder bei Dr. V, der seine Ordination leider in dieser grausligen Stadt am See hat.
Ich war irgendwie verwundert und bin mir nicht so ganz sicher, dass er mich nicht verarscht hat, denn er hat eine Haltung eingenommen, die mir so gar nicht bekannt ist: Er hörte mir wie immer ganz genau zu und schien davon felsenfest überzeugt zu sein, das Testosteron das einzig richtige ist. Auch glaubt er mir anscheinend auch, dass ich Östrogen einfach nicht vertrage. So etwas habe ich doch noch nie erlebt! Bisher wurde ich doch immer belächelt und als bemitleidenswerte Patientin abgestempelt, die sich das alles nur einbildet.
Aber Dr. V. ist anders. Er versteht sogar, dass ich keine Untersuchung will. Wie ist das möglich? Wo ist der Haken? Gibt es doch noch Mediziner, die den Patienen für voll nehmen? Heute war er so zuvorkommend, dass ich mich fragen musste, ob er mich überhaupt noch für voll nimmt. Und seine Fragen waren echt gut! Er war vor allem an meinem sozialen Geschlecht interessiert und wie ich damit in der Öffentlichkeit umgehen. So was ist mir doch bisher nie untergekommen.
Auf alle Fälle hat er mich für das nächste halbe Jahr mit Testosteron versorgt (Auf einmal ist alles so einfach) und zur Ader wurde ich auch noch gelassen. Ich frage, ob wohl ein Hormonstatus interessant wäre und schon steckt ne Nadel in meinem Arm. Was ist da bitte im Busch? Warum brauche ich nicht mehr zu überzeugen? Dr. H. vom Netzwerk hat wohl einen sehr positiven Einfluss auf die Mediziner, die sich an ihn wenden. Wenn ich das nur schon früher gewusst hätte. Fühlt sich alles so unreal an.
interlife - 25. Jan, 19:52
Testo-Tagebuch
Morgen hole ich mir meine zweite Tube Testosteron.
Es ist schon ein ziemlich seltsames Gefühl, wenn hir so lange über den Kampf um eine richtige Hormonersatztherapie geschrieben wurde und es jetzt endlich geschafft ist. In manchen Foren liest man, dass sich die Testoholiker nur einbilden, dass sich etwas verändert, aber he! Ich fühle mich nicht mehr wie jemand in den Wechseljahren. Bin fitter, geiler und aufgedrehter als je zuvor! Und das kommt nur vom Testosteron! Also definitiv keine Placebowirkung, obwohl ich ja der größte Placebofan bin, den es gibt! Morgen wird mir höchstwahrscheinlich Blut abgezapft. Ein äußerst interessanter Vorgang, denn ich immer äußerst gespannt verfolge. Viele Ärzte reagieren darauf etwas iritiert, denn die meisten Patienten sehen weg, wenn eine Nadel in die Venen gerammt wird. Ich finde das sehr "erregend" wenn ich das mal so ausdrücke darf. Blut ist geil! Blut ist der Saft des Lebens, er fließt bis zu meinem Tode permanent durch meine Adern. Ist doch schön ihm beim Fließen zuzusehen. Schon als Kind mochte ich seine Geschmack, der so eisern war. Blut... ja ich steh drauf! Ich bin ein Vampir! Blut ist erregend! Jetzt ist es raus! Vielleicht möchte ich auch darum so unbeding Medizin studieren, was aber warscheinlich nie passieren wird. Wie würde das wohl wirken, wenn ich die Patiente aussauge?
interlife - 24. Jan, 20:51
Testo-Tagebuch
Ich halte diese permanente Geilheit nicht mehr aus. Wie schafft es eigentlich ein ein Mann normal zu denken, wenn er den ganzen Tag under dem Einfluss von Testosteron steht und nur an Sex denken kann. Kein Wunder, dass es so viel Elend und Krieg auf der Welt geht. Die großen Tiere der Welt denken ja auch den ganzen Tag an nichts anderes als Sex!
Wenn sich meine Libido nicht bald etwas einschränkt werde ich wohl zwangsläufig Mitglied in einem Swingerclub werden müssen.
Nie hätte ich gedacht, dass sich unter Testosteron so eine exorbitante Libido entwickeln kann. Buaaa.
interlife - 13. Jan, 20:08
Testo-Tagebuch