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So bin ich

Freitag, 3. November 2006

Mein Atem

Viele Menschen habe ich auf der Strecke gelassen. Ich frage mich, was sie wohl heute über mich denken. Sind sie noch immer meine Freunde, oder haben sie mich abgeschrieben? Ich werde es wohl nie herausfinden, wenn ich nicht dazu überwinde nachzufragen, aber dazu fehlt mir der Mut. Ich bin eben ein Feigling, aber damit lebe ich gut.

Es ist wieder einmal an der Zeit eine kleine Selbstreflektion zu betreiben. Wo bin ich, wo stehe ich, wo bin ich?
Es geht mir gut. Mit ein bisschen Biss bringe ich auch noch die zwei letzen Semester vorüber und ich kann endlich einmal Geld verdienen. Zu Hause ausziehen, unabhänig sein und die Ruhe genießen. Eine schöne Aussicht, für die es sich lohnt noch einmal tief Luft zu holen um dann durch diese anstrengende Zeit zu starten.
Ja, es geht mir gut. Ja, ich bin immer noch intersexuell und ich fühle mich gut damit. Ich bin gerne Zwitter. Möchte es in die Welt hinaus schreien und sehe keinen Grund mich dafür zu Schämen oder es selbst nicht anzuerkennen. Ich bin gerne was ich bin. Bin Mensch und es stört doch wohl keinen. Wieder einmal höre ich Placebo bis zum Abwinken. Es gibt wohl keine Band, deren Musik mich so sehr in ihren Bann gezogen hat. Musik, in der ich mich, egal ob nüchtern oder vollkommen dicht, ich mich immer wieder so selbst finden kann. Brain Molko ist und bleibt mein Held. Er war es schon mit 16 und wird es wohl immer bleiben. Gut gemacht Brain.

Ich kann durchatmen, und fühle mich heute vollkommen befreit. Ich könne die Welt umarmen und sehne mich nach den Menschen, die mir näher stehen, als es je wieder ein anderer Mensch sein kann. Sehne mich nach einem Wiedersehen, nach neuen Bekanntschaften, neuen Freunden und neuem Gefühlschaos. Nicht zu wissen, was los ist, denkt der andere genauso? Zu lieben, bedingungslos zu Lieben und diese Liebe teilen. Ja, dazu bin ich nach langer Zeit wieder bereit. Offen es auszuleben, offen, mich zu öffnen. Offen für Menschen.
Ich lebe und liebe. Gerne, jetzt und bis in alle Ewigkeit.

Samstag, 16. September 2006

Positive Sachen tun und positive Sache ernten

Wie schön, wenn ich morgens erwache und mich nicht als erstes niedermache. :-)

Es geht mir gut, denn ich habe vergangene Woche viel gelernt und mein Gewissen unheimlich erleichter. Jetzt fühle ich mich gut vorbereitet und warte gespannt auf Mittwoch, wenn die große Prüfung stattfindet und alles glatt laufen wird.

Das Blogen macht mir hier keinen wirklichen Spaß mehr. Einerseits, weil ich mich von meinem intersexuell-sein immer weiter entferne und ich die Nase von der Thematik gestrichen voll habe und andererseits auch, weil ich meinen Frust täglich in den Wald trage und dort in den Boden trample. Das hat sich als viel effektiver erwiesen, als diese Herumgeblogge. Dieses Blog passt nicht mehr zu mir! Nicht, dass ich keine Lust mehr am Schreiben hätte, ich liebe es, aber dieses 'Intersex' ist nicht meins. 'Living Intersex' ist nicht meins, weil ich mit damit selber verkategorisiere und darauf habe ich ja bekanntlich keinen Lust. Und so sage ich aufwiedersehen bis Ungewiss, mir geht es gut und ich blogge mal wieder eine Zeitlang nicht mehr. Ich brauch's im Moment einfach nicht und beschäftige mich realen Dingen und nicht lass die Hirngespinnste ruhen.
(Helsinkische Architektur gefällt mir zur Zeit ausnehmlich gut und drückt wohl am besten aus, wie ich mich zur Zeit fühle: unbeschwehrt!)

Freitag, 7. Juli 2006

Ferien!

Das heißt....
... nicht jeden Tag in die PH gehen.
... keine Nachhilfeschüler.
... zu viel Zeit daheim verbringen.
... nur noch selten unter Menschen kommen, die einen intelektuell bzw. von der Konversation her ansprechen
... Diplomarbeit schreiben.
... Zeit zum Einsam und Traurig sein.
... für die schriftliche Diplomarbeit vorbereiten
... wieder Zeit zum Schreiben finden.
... sich um den eigenen Körper kümmern.
... entnervt Abstand von der Familie suchen.
... jeden Tag kochen und putzen.
... es einfach hinnehmen.
... flüchten.
... ein paar Tage nicht hier sein.
... in meiner Fanatsie tollkühne Pläne schmieden.
... erkennen, dass Fantasien nicht die Realität sind.
... auf den Boden der Tatsachen zurückkehren.
... seit neustem auch zu wissen, was ich will und wann ich es will und wann es sein wird und dass es sein wird und dass ich es schaffen kann und das es wird und dass ich irgendwann in geraumer Zeit wirklich sehr glücklich sein werde, denn meine Fantasien sind keine Hirngespinnste mehr sondern können Realität werden und das ist sehr gut und positiv und schön und überhaupt und sowieso wird irgendwann sicher alles gut, denn ich bin ein ewiger Optimist, der auch unter der Tatsache, dass eigentlich alles total beschissen ist immer noch ein Quäntchen Hoffnung hat, dass sicher wieder alles gut und schön und positiv wird.
Ende.

Dienstag, 4. Juli 2006

Konfrontationen

Ich habe letzte Zeit viel geredet. Mit vielen Menschen über Intersexualität gesprochen und diskutiert. Aber fühle ich mich deswegen besser? Ist dieses "Sprechen" eine Erleichterung? Eine Befreiung?
Nein, ganz im Gegenteil. Es geht mir schlechter, bin dann tagelang nervös und unruhig und finde keinen Schlaf mehr.
Es interessiert die Leute, ich zwinge sie zu nichts, sie fragen von ganz alleine nach. Wollen wissen als was ich mich fühle und selbst erlebe. Ja, es sind ja ganz gute und interessante Fragen, aber sie konfrontieren mich mit Tatsachen zu denen ich selber noch gar nicht bereit bin sie zu akzeptieren und wahrzunehmen und das schmerzt.

Ich brauch mal ne Pause.

Dienstag, 27. Juni 2006

Stunden später

Wie bringt man Wut zum Ausdruck? Wie kann ich ihr mit meinen Worten Nachdruck verleihen? Geht das überhaupt noch? Welche Freiräume bietet das Korsett der Sprache dem sich schreibend ausdrückenden Menschen überhaupt?

Der Bogen des Möglichen wurde längst überspannt und die Suche nach Lücken und Freiräumen, die dem Ausdruck Platz verschaffen sollten wurden nicht gefunden? War deswegen aber alles umsonst?
Auch heute bin ich wieder betrunken. Es passiert nicht mehr einfach so. Es ist kein Trinken des Genusses wegen, nein, es ist ein gezieltes Betrinken um vielleicht in diesem Zustand der nicht mehr vollen Zurechnungsfähigkeit ein Ventil zu finden, das meinen ganzen Frust, der natürlich wie immer durch meine eigenen Unzulänglichkeiten selbst verschuldet ist, ins Nirvana ableitet.
Es ist Wut.
Blanke Wut, weil ich es nicht geschafft habe mich aus der Aphäre zu ziehen. Mir diesen Schwachsinn stundenlang angehört habe und diesen leere Phrasen auch noch zugestimmt habe.
Wut, weil ich nicht mehr ich war und nicht den Raum bekam um ich zu sein.
Wut, weil ich eine Kategorisierung und Schubladisierung zugelassen habe und nicht die Möglichkeit fand mich dagegen zu verteitigen.
Wut, weil ich diesem Schwachkopf Dinge erzählt habe, die ihn nichts angehen und Wut, weil seine anschließenden Ausführungen so bekloppt waren, dass ich nur noch die Flucht in ein weiteres Bier suchen konnte.
Und vor allem Wut, weil ich mich zum ersten Mal bewusst manipulieren lassen habe.
Wut, weil ich so ein Idiot bin.

Und da ich nun vor lauter Kausalitäten nicht mehr weiter weiß und ich mich nun langsam wieder beruhige, weil ich doch die richtigen Worte gefunden habe, trinke ich nicht mehr weiter, sondern hole jetzt den längst verdienten Schlaf nach.

Sonntag, 18. Juni 2006

Nacht|gedacht

Ich fühle mich in meiner Ausdrucksfähigkeit beschnitten. Eingeengt. Es kann einfach nicht raus was ich sagen will. Schreiben reicht schon lange nicht mehr. Reden und schreien nicht. Neue Mittel und Wege müssen her um andere Schleusen zu bedienen auf die ich keinen Zugriff habe. Aber welche? Womit kann ich mich noch ausdrücken außer dem geschriebenen Wort. Ich wüsste nicht eines und selbst das Schreiben ist in letzter Zeit zu einem unbefriedigenden Zeitvertreib geworden. Das Fenster geht nicht mehr auf, ich habe keinen Zugriff mehr. Ich blicke durch ein Schaufenster, kann aber nicht auf das, was ich unbedingt aus meinem Kopf hinausbringen will, zugreifen. Wer weiß, vielleicht ist die Zeit noch nicht reif dafür, damit diese Dinge zu Tage treten, aber ich halte es nicht mehr aus.
Ständig habe ich das Gefühl, dass ich meine Zeit absolut ineffektiv nutze. Soblad ich auch nur eine Minute dasitze und nicht mache und auch nur ein Hauch von Langeweile aufkommt kommt der altbekannte Selbsthass wieder hoch. "Du Versager! Du Taugenichts! Deine Langeweile ist das Ergebnis deiner eigenen Unzulänglichkeiten! Weíl du so verkommen bist bringst du es zu nichts und kannst dich nur langweilen! Das ist alles wozu man dich gebrauchen kann! Langweile und das Nichts produzieren!". Ja, solche Gedanken schießen mir durch den Kopf. Aber ich bekomme sie wieder in den Griff, zumindest langsam. Ich lese viel, heute den ganzen Nachmittag bis in den Abend hinein den Opernball von Josef Haslinger. Sehr vulgär und dieser ständige Rechtsradikalismus, der einem im Hirn durch das Lesen produziert wird und für normal immer auseinadergenommen wird, aber weil es Literatur ist nicht gemacht werden kann, verwirrt mich. Das ist wie eine Störfrequenz. Gedanken, die verachtete und nicht nachvollziehbare Gedanken sind, aber gedacht werden. So, als wäre man dazu gezwungen den ganzen Tag die verbale Scheißerei (ich bin auch vulgär) eines Nazis anzuhören. Aber am Schlimmsten ist wohl jener Rechtsradikalismus, der sich tarnt. Er tarnt sich in dem er sich als objektiven Bericht ausgibt. Vermeintlich liberal ist, aber doch nur Fremdenhass hervorrufen will. Etwas, was mir letzte Zeit oft passiert, wenn ich in Blogs lese. Blogs, die sich als Profiblogs tarnen, die politisch interpretieren und man auf den ersten Blick das Gefühl hat einen doch reicht objektiven Bericht, soweit das möglich (oder eben auch unmöglich) ist, zu lesen. Doch nach spätestens zehn Zeilen ist klar wo man gelandest ist. Gefährlich ist das.
Und noch eine Erkenntnis ist mir heute gekommen.
"Ja, diese Radikalen..." (egal ob rechts, links, oben oder unten oder horinzontal schräg nach mitte unten) oder von mir aus auch "Ja, diese Gemäßigten..." oder nein vielleicht doch besser "Ja, dieses Lagerdenken...?" vielleicht auch "Ja, diese Denkenden..." oder "Ja, diese Unwissenden..."

Auf jeden Fall gibt mir die Auseinandersetzung mit der österreichischen Nachkriegsliteratur schwer zu denken und ich werde noch viel weiterlesen, egal wie verwirrend diese Gedanken zum Teil auch sind. Ich kenne die Geschichte, die Menschen aber die Auseinadersetztung noch zu wenig. Und doch gerade die Auseinadersetzung macht doch den Wert einer Gesellschaft aus.
Nestbeschmutzer? Was sind bitte Nestbeschmutzer? Bernhard, Bachmann, Jelinek, Hasliner, Ransmayer und wie sie alle heißen? Sind das Nestbeschmutzer? Welches Nest denn bitte? Diese System bescheißt sich doch selbst! Wer hat jemals gesagt, das Österreich stubenrein ist und keine braunen Klattern mehr zurück lässt? Nest, Nest, Nest. WER?


"Die das Nest schmutzig machen, zeigen empört auf einen, der ihren Schmutz bemerkt und nennen ihn den Nestbeschmutzer.", meinte Max Frisch.

Samstag, 17. Juni 2006

ent|TARNT

Vor zwei Wochen wartete ich vor dem Büro eines Professors, dass der gnädige Herr doch entlich aufkreuzt (er kam so zwei Stunden zu spät). Vor dem Büro sind auf vier Tischen verschiedene Stundentenzeitschriften, Flyer und Werbung aufgebaut. Da ich ja sonst nichts zu tun hatte stöberte ich ich die alten Progress durch und stieß auf ein Interview mit Alex und Elisabeth. Mich in meiner Umwelt ertappt fühlend, steckte ich die Zeitschrift in meine Tasche um den Artikel zu einem späteren Zeitpunkt zu lesen. Ja nicht in der PA, man könnte mich ja enttarnen und daraufhin exmartikulieren, da Intersexuelle ja keine Lebensberechtigung haben. Es war wieder ein typisches Beispiel in einen Rückfall von alten Verhaltensmustern. Aus Angst erkannt und gebranntmarkt zu werden hätte ich am liebsten den ganzen Stapel Zeitschriften sofort verbrannt.

Mittlerweile weiß ich, was ich tun muss um aus diesen verdammten Verhaltensmustern endlich auszusteigen und dem ganzen locker entgegen zu stehen. Es ist so leicht und war früher doch so schwer: REDEN!

Es ist für mich kein Problem mehr darüber zu reden und andere zu informieren. Ich rede mir immer noch ein, dass ich dann ganz nervös werde, es mir unangenehm ist und die Welt zusammenbricht, aber es passiert einfach nie. Ich lebe noch immer und rede auch noch immer.
Auf jeden Fall habe ich geredet und das Gespenst hat seinen Schrecken nun verloren. Es gibt jetzt keine Angst mehr davor in der PA enttarnt zu werden, denn das habe ich jetzt selbst getan und so lebt es sich auch ein Stück besser.
Solche Ängste entstehen nur, wenn ich nicht von Anfang an nicht zu mir selbst stehe und meine eigenen Identität verleugne.

Dienstag, 6. Juni 2006

Notiz an mich

Manche Leute machen mich einfach aggressiv.
  • Ich hasse Übertreibungen, Dramen und die Versuche etwas zu finden wo nichts ist.
  • Ich hasse Illusionen und enthülle sie wo immer ich auch auf welche stoße.
  • Ich hasse es, wenn Menschen wie Texte interpretiert werden.
  • Ich hasse es, wenn Menschen so reagieren wie meine Mutter, aber das tut wohl jeder
Vielleicht bin ich kaltherzig und habe kein Gefühl für andere Menschen, aber damit kann ich gut und gerne leben.

Samstag, 3. Juni 2006

Home sweet home

Die eigene Verwandtschaft ist einfach das seltsamste was es auf dieser Welt geben kann.
Während eigentlich ein Geburtstag gefeiert werden sollte prügeln sich meine Mutter und ihre Schwestern verbal. Die anderen Gäste sitzen am Tisch und wissen nicht wie ihnen geschieht. Schreiend rennt eine der Tanten aus der Küche und meint, dass sie jetzt die sieben Kilometer nach Hause laufe und alle so gemein und grässlich zu ihr seien.
Hui, ich sollte wohl den psychologischen Notdienst verständigen. Hier sind ein paar Schrauben locker.
Und Interlife schnappt sich ein Glas und ne Flasche Wein und verschwindet in ihr schallisoliertes Kämmerchen.
Ob ich und meine Geschwister auch eines Tages so eine komplizeirte Beziehung entwickeln?

Montag, 29. Mai 2006

m.ü.d.e.

Um halb sieben aus dem Bett geschleppt, den Schlaf aus den Augen gerieben und an den Ort der Sinnlosigkeit gewandert.
Um sieben Uhr abends wieder durch die Haustür gekrochen.
müde
sinnlos
lange

Heute Abend bin ich mir zum ersten Mal seit langem wieder meiner selbstverschuldeten / gewollten Einsamkeit bewusst geworden. Seit ich jeglichen sozialen Kontakt zu anderen Menschen außerhalb meiner Studien- und Arbeitsumwelt abgebrochen habe, sind etwa zwei (nein, etwa schon drei?) Monate vergangen und ich habe mein neu errungenes Einsiedlerleben genossen. Doch heute Abend fehlt es mir. Diese Oberflächlichkeit, diese unmögliche Art bestimmter Menschen, wie sie anderen zeigen, dass sie anderer Meinung sind. Das Anschweigen und in den Tischfussballkasten starren. Die wenigen gesprochenen Worte eines Abends, die sich oft nuf auf ein "bring mir auch noch ein Bier mit" beschränkten.
All diese Oberflächlichkeiten fehlen mir heute Abend, denn zum ersten Mal seit langer Zeit ist mir nicht nach tiefsinnigen und gedankenraubenden Gespräche zumute.
Heute bin ich ein klein bisschen Einsam und deshalb wälze ich mich nun ein bisschen im Selbstmitleid über meine selbstverschuldete Einsamkeit um morgen wieder stark zu sein. Damit ich mir wieder einreden kann, dass ich die eh nicht brauche um Glücklich zu sein.

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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