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Mittwoch, 9. März 2005

Diskriminierung?!

Intersexualität

Unter Intersexualität versteht man die Fehlbildungen des weiblichen Genitales aufgrund chromosomaler Störungen oder aufgrund fetaler Fehlentwicklung mit Ausbildung sog. sexueller Zwischenstufen (Pseudohermaphrodismus und Hermaphrodismus). Außerdem gehört zu diesem Bereich die Vermännlichung von weiblichem sowie die Verweiblichung von männlichem Genitale. Dies stellt beim Betroffenen ein schweres seelisches und körperliches Handicap dar und kann durch plastische Operationen an die normale Genitalausbildung chirurgisch angeglichen werden.
(vgl.http://www.diako-mannheim.de/263.0.html)


Ich fasse kurz zusammen:
Seelisches Handicap: Ich bin ein Psycho der Windeln tragen muss und ein tristes Leben in einer Gummizelle fristet, quasi schwer geistig behindert.
körperliches Handicap: Durch meine schwere genitale Behinderung bin ich an einen Rollstuhl gefesselt und werde künstlich ernährt.

Was für ein Mensch hat das bitte geschrieben? Müssen Ärzte in Deutschland seit neuestem nur noch einen 2 tägigen Crashkurs machen? Aufbaulehrgang Genitalverstümmelung dauert nur einen Tag.

Ach ja, denken wir mal kurz darüber nach:
Das "körperliche Handicap" entsteht ja erst durch diese unheimlich notwendigen geschlechtszuweisenden Operationen, die den Intersexuellen jede Möglichkeit auf Lustempfinden nehmen/rauben.

Das "seelische Handicap" entsteht weil man den Betroffenen einredet, sie seien eine medizinische Einzigartigkeit und man sei ein einzigartiges Individuum, dass mit keinem darüber reden darf, weil das das soziale Aus bedeuten würde.

HMMM. Denken wir darüber mal nach.

Trackback URL:
http://livingintersex.twoday.net/stories/562838/modTrackback

marienkäfer - 10. Mrz, 08:29

Handicaps

Meine Intersexualität ist ein so schweres seelisches und körperliches Handicap, dass ich dem Arzt, der für die notwendigen Genitalkorrekturen verantwortlich ist, gar nicht gegenüber treten kann, ohne das mein Handicap mir einen Strich durch die Rechnung macht.

Ausblick :

Ich kann nicht klar denken, bin überhaupt nicht in der Lage mich selbst zu versorgen, Freude am Leben ist auch nicht drin. Ich vegetiere vor mich hin. (Wenn das wahr wäre, könnte ich die Definition ohne Gegenwehr akzeptieren)

Da ich auch anderen Menschen in keinster Weise begegnen kann (denn sie würden mich, die nicht genitaloperiert wurde - wenn man die Gonadektomie mal außen vor lässt - glatt erkennen und mir einen Behindertenausweis geben, da ein so schweres Handicap ohne Zweifel nicht unbemerkt bleiben wird) habe ich mich entschlossen, ein Leben in Einsamkeit zu verbringen.
Ich habe eine Hütte in den Bergen, wo es keinen Menschen nie hinverschlagen würde. Dort lebe ich allein mit meinem Handicap.

Entweder liegt diese Verhaltensweise nun an meiner Intersexualität, denn ich als gehandicapter Mensch bin überhaupt nicht in der Lage, in einer dichotomen perfekten Mann-Frau Welt zu leben.

Oder es liegt daran, dass ich in einer Welt, die mich als behindert ansieht, überhaupt nicht leben will und demzufolge die Einsamkeit als notwendiges Übel ansehe. Damit will ich mich von dieser Zivilisation abgrenzen.

Allerdings würde es dann ganz schön eng werden, denn wir sind nicht allein. Wenn nun alle intersexuellen Menschen auf den gleichen Berg wollen ... Wir sind nicht gehandicapped und wir sind sehr wohl in der Lage uns zu wehren. Das werde ich tun. Das tue ich bereits.

Wie kann es sein, dass ein seelisch so schwer gehandicapter Mensch sich gegen diese Definition der Intersexualität als behinderung auflehnt. Ist er vielleicht gar nicht behindert?

Wie kann es sein, dass Ärzte Genitalverstümmelungen als Befreiung des Handicaps ansehen? Ist auch der Tod eine Erlösung? Wo um Himmels willen landen wir, wenn diese Weltanschauung übernehmen und uns nicht wehren?

interlife - 10. Mrz, 10:12

Ein irrer Schrei nach der Bettpfanne: Wuahhhhhhhhhhh

Ich würde dich ja sehr gerne auf deiner Berghütte besuchen und mit dir die Zieglein hüten, aber leider kann ich von diesem Ort (einer feuchten dunklen Gummizelle) nicht weg.
Sorry.

Einen behinderten kranken Gruß

Interlife

(Jetzt ists Zeit für Medikamente)
C. Araxe - 10. Mrz, 09:23

DIE Norm existiert nicht. Und demzufolge ist auch nichts unnormal (und müsste einer Norm angepasst werden). Nur in den Köpfen einiger, mögen es auch viele sein, gibt es diese Einteilung. Wider diese Norm!

interlife - 10. Mrz, 10:09

REVOLUCION

Die Köpfe werden Rollen und so werden es immer weniger und weniger.
mohnblume1 - 10. Mrz, 13:48

Normidiotismus!!!

"... zeitung geleistet "psychologie heute" weil dort ein artikel über abweichendes sexualverhalten beinhaltet war. Wußtest du, daß sadismus und masochismus, gar fetischismus zu psychischen störungen zählen (ln internationalen diagnosystem)" fragte mich eine ganz normale, absolut gesunde, karrierebewusste Frau, die ihr Liebesleben einfach in etwas anderer Form sieht, als der grosse Durchschnitt.

Und schon kommt wieder eine Armee von Experten, die allen nachweisen wollen, dass sie und andere seelisch handicapiert sind, weil ihr Verhalten nicht der Norm entspricht. Was ist die Norm? Nichts weiteres, als letztendlich die Summe verschiedener Komponenten. Und so lange einzelne Komponenten aendern, in Bewegung sind, neue dazukommen, alte verschwinden, kann die Norm nicht statisch sein. So, Fingerzeig auf solchen Normidiotismus mit all ihren Anhaengern, von denen manche eine schoene Fassade zeigen, aber einen unaufgeraeumten Hinternhof halten.

Letzten Endes zaehlt nur, was du fuer dich, ich fuer mich, im Rahmen der Ethik fuer gut halten. Und wohlgemerkt, auch dieser Rahmen ist staendigen Anderungen unterworfen.

marienkäfer - 10. Mrz, 14:37

Abweichendes sexuelles Verhalten

Wie weit sind wir in dieser Welt, daß wir bestimmen, welche Form der Sexualität abweichend und unnormal, krankhaft und behandlungsbedürftig ist.

Ich kenne dieses Diagnosesystem und mir kommen viele Sachen darin komisch vor :

Bei einem Referat wurde darüber erzählt, daß es auch unnormal ist, kein Verlangen nach Sex zu haben. Ich weiß nicht mehr den Zusammenhang, aber es ging darum, daß das im Rahmen der Therapie vorgestellt wurde.

Nun, wer geht bitteschön zum Arzt und sagt, ich habe keinen Sex und gar kein Verlangen danach, bitte heilen sie mich ... ? ? ?

Solange es Ärzte gibt, solange wird es Krankheiten geben.
Solange es Medikamente gegen Depressionen gibt, solange exisiteren sie.
Und solange es Chirurgen gibt, die sich auf Genitalkorrekturen spezialisisert haben, solange wird es auch "Mißbildungen eines intersexuellen Genitals" geben.

PS. auf Psychologie heute würde ich als angehender Psychologe keinen Pfifferling geben! Außerdem hasse ich Pilze.

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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