Teil 6 - Sich nicht mehr steigern wollende Paranoidität
So, beim lesen meiner Geschichte ist mir jetzt aufgefallen, dass ich einige wichtige Dinge einfach vergessen habe. Wahrscheinlich sogar absichtlich. Darum schreibe ich jetzt noch einen Teil 6, der eigentlich nicht mehr so wichtig ist. Doch, eigentlich ist der auch sehr wichtig. Momentan scheine ich an extremen Entscheidungsproblemen zu leiden. Wie heißt das noch mal der Fachbegriff dazu????
Damals in der HTL:
Ich weinte oft, ließ es einfach raus, egal ob jemand in meiner Nähe war. Ein psychisches Wrack - soviel hatte ich ja schon erzählt.
Mir ist aufgefallen, dass ich seit der Matura nicht mehr geweint habe. Ja ich kann geradezu überhaupt nicht mehr weinen. Eine Träne, aber damit hat es sich dann auch schon wieder. Aber dieses tiefe, schluchzende Weinen mit geschwollenem Gesicht und allem drum und dran, das habe ich verlernt und es ist beides, Fluch und Segen. Ich habe mich ja ständig selber beweint, es war also doch nichts anderes als Selbstmitleid.
Ich hab mir mal Gedanken gemacht, warum das eigentlich so ist und ich kann es nur erahnen.
Es gab in der Schule nur diesen kleinen Kreis von Leuten die davon Bescheid wussten. Meine außerschulischen Freunde, mit denen ich eigentlich am Wochenende die meiste Zeit verbrachte, hatten keinen Schimmer.
Die Klassengemeinschaft war... ja war eigentlich überhaupt nicht vorhanden. So etwas kannten wir gar nicht. Es gab diese Grüppchen, ein paar Neutrale und die Außenseiter, ich war eine Mischung: gehörte zwar auch zu einer Gruppe, war aber im Klassenverband gesehen, eine Außenseiterin.
Ja, und irgendjemand von den Leuten die Bescheid wussten haben eines Tages geplaudert (Jetzt komm ich zwar vom Thema ab, aber egal). Ich sehe es noch vor mir, als ob es gestern gewesen wäre. Das war der seltsamste Tag in meinem ganzen Leben:
Es ist kurz vor Weihnachten und wir haben BWL mit dem intelligentesten Mann der ganzen Schule - unserem allseits geschätzten Direktor.
Ich glaube das Thema dieser Stunde war Ergonomie des Arbeitsblattes und die gesetzlichen Verpflichtungen des Arbeitgebers oder so ähnlich.
Aber unser Lehrer schweifte sehr gerne etwa aus und plötzlich begann er über Intersexualität zu sprechen. Ja, er nahm dieses Wort ganz offen in den Mund. Man kann sich wohl vorstellen, dass ich mich da nicht mehr wohl in meiner Haut fühlte. Er erzählte meinen dummen Mitschülern, die natürlich noch nie etwas darüber gehört haben, die Geschichte einer russischen Athletin die von den Olympischen Spielen ausgeschlossen wurde.
Die nichts wissenden Mitschüler hörten alle gespannt zu, ich aber bekam den paranoidesten Anfall meines Lebens.
ER WUSSTE ES, JEMAND HATTE ES IM GESTECKT!!!!
Na ja, die Möglichkeit besteht zwar, ist aber eher auszuschließen, oder.... wenn ich so genau darüber nachdenke und diese paranoiden Gedanken verfolge ist es doch nicht so unmöglich.
Mit zitternder Hand und angehaltenem Atem saß ich auf dem Stuhl, starrte das Skriptum an und begann zu unterstreiche. Alles was auch nur im Entferntesten über die Ergonomie am Arbeitsplatz wichtig war wurde gelb markiert. Das blanke Entsetzen war in meinen Augen zu sehen. Mein Kopf - rot und jeden Moment zum Platzen bereit.
20 Minuten dauerte dieses grausige Schauspiel an. 20 Minuten hielt ich den Atem an. Dann war es geschafft.
Meine Banknachbarin sah mich mit großen Augen an.
"Viel hast du unterstrichen und gut geschlagen hast du dich!"
Beide schauten wir, dass wir schnell auf den Raucherhof kamen. Den mitleidigen Blicken meiner wissenden Klassenkolegen wollte ich jetzt doch nicht ausgesetzt werden. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Die ganze Klasse wusste über mich Bescheid, jemand hatte es ausgeplaudert und mein Vertrauen missbraucht.
Wie ich dahinter kam erzähle ich im nächsten Teil.
Damals in der HTL:
Ich weinte oft, ließ es einfach raus, egal ob jemand in meiner Nähe war. Ein psychisches Wrack - soviel hatte ich ja schon erzählt.
Mir ist aufgefallen, dass ich seit der Matura nicht mehr geweint habe. Ja ich kann geradezu überhaupt nicht mehr weinen. Eine Träne, aber damit hat es sich dann auch schon wieder. Aber dieses tiefe, schluchzende Weinen mit geschwollenem Gesicht und allem drum und dran, das habe ich verlernt und es ist beides, Fluch und Segen. Ich habe mich ja ständig selber beweint, es war also doch nichts anderes als Selbstmitleid.
Ich hab mir mal Gedanken gemacht, warum das eigentlich so ist und ich kann es nur erahnen.
Es gab in der Schule nur diesen kleinen Kreis von Leuten die davon Bescheid wussten. Meine außerschulischen Freunde, mit denen ich eigentlich am Wochenende die meiste Zeit verbrachte, hatten keinen Schimmer.
Die Klassengemeinschaft war... ja war eigentlich überhaupt nicht vorhanden. So etwas kannten wir gar nicht. Es gab diese Grüppchen, ein paar Neutrale und die Außenseiter, ich war eine Mischung: gehörte zwar auch zu einer Gruppe, war aber im Klassenverband gesehen, eine Außenseiterin.
Ja, und irgendjemand von den Leuten die Bescheid wussten haben eines Tages geplaudert (Jetzt komm ich zwar vom Thema ab, aber egal). Ich sehe es noch vor mir, als ob es gestern gewesen wäre. Das war der seltsamste Tag in meinem ganzen Leben:
Es ist kurz vor Weihnachten und wir haben BWL mit dem intelligentesten Mann der ganzen Schule - unserem allseits geschätzten Direktor.
Ich glaube das Thema dieser Stunde war Ergonomie des Arbeitsblattes und die gesetzlichen Verpflichtungen des Arbeitgebers oder so ähnlich.
Aber unser Lehrer schweifte sehr gerne etwa aus und plötzlich begann er über Intersexualität zu sprechen. Ja, er nahm dieses Wort ganz offen in den Mund. Man kann sich wohl vorstellen, dass ich mich da nicht mehr wohl in meiner Haut fühlte. Er erzählte meinen dummen Mitschülern, die natürlich noch nie etwas darüber gehört haben, die Geschichte einer russischen Athletin die von den Olympischen Spielen ausgeschlossen wurde.
Die nichts wissenden Mitschüler hörten alle gespannt zu, ich aber bekam den paranoidesten Anfall meines Lebens.
ER WUSSTE ES, JEMAND HATTE ES IM GESTECKT!!!!
Na ja, die Möglichkeit besteht zwar, ist aber eher auszuschließen, oder.... wenn ich so genau darüber nachdenke und diese paranoiden Gedanken verfolge ist es doch nicht so unmöglich.
Mit zitternder Hand und angehaltenem Atem saß ich auf dem Stuhl, starrte das Skriptum an und begann zu unterstreiche. Alles was auch nur im Entferntesten über die Ergonomie am Arbeitsplatz wichtig war wurde gelb markiert. Das blanke Entsetzen war in meinen Augen zu sehen. Mein Kopf - rot und jeden Moment zum Platzen bereit.
20 Minuten dauerte dieses grausige Schauspiel an. 20 Minuten hielt ich den Atem an. Dann war es geschafft.
Meine Banknachbarin sah mich mit großen Augen an.
"Viel hast du unterstrichen und gut geschlagen hast du dich!"
Beide schauten wir, dass wir schnell auf den Raucherhof kamen. Den mitleidigen Blicken meiner wissenden Klassenkolegen wollte ich jetzt doch nicht ausgesetzt werden. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Die ganze Klasse wusste über mich Bescheid, jemand hatte es ausgeplaudert und mein Vertrauen missbraucht.
Wie ich dahinter kam erzähle ich im nächsten Teil.
interlife - 22. Feb, 11:01
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