Mittwoch, 3. Oktober 2007

Aktion T4 im Jahr 2007

Viele interseuxelle Aktivisten kämpfen gegen geschlechtszuweisenden Operationen an intersexuellen Kindern. Das ist auch schön und recht, doch meiner Meinung greift diese Vorgehensweise einfach zu kurz. In einigen Jahren, wird es nämlich so oder so keine geschlechtszuweisenden Operationen mehr geben, da keine zwischengeschlechtlichen Menschen mehr das Licht erblicken werden.

Die Gründe dafür liegen in der Pränataldiagnostik und der eugenischen Indikation.

Eugenische Indikation:
Laut Paragraph 97 des österreichischen Strafgesetzbuches, darf eine Schwangerschaft bis einen Tag vor der Geburt straflos abgebrochen werden, wenn
  • medizinischer Indikation, um eine ernste Gefahr für das Leben oder einen schweren Schaden für die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren abzuwehren, und bei
  • embryopathischer (eugenischer) Indikation, wenn eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein wird.

Was heißt das nun?
Einerseits könnten in Zukunft durch dir Pränataldiagnostik zwischengeschlechtliche Kinder schon im Mutterleib "behandelt" werden. Das geschieht heute beispielsweise schon bei AGS.
Andererseits könnten intersexuelle aber auch zerstückelt, abgesaugt und entsorgt werden, falls keine Aussichten auf "Heilung" bestehen.
Mir dreht sich bei dem Gedanken der Magen um.

Seit Jahren kämpfen österreichische Behindertenverbände gegen diesen Paragraphen im Strafgesetzbuch und auch viele Politiker haben dieses Gesetz schon offen angeprangert, doch es geschieht einfach nichts.

In Österreich gibt es keine offizielle Abtreibungsstatistik, die Zahlen der ermordeten Kinder bleiben also unter Verschluß. Offiziell heißt es, dass es nur sehr selten und in extremen Fällen zur eugenischen Indikation kommt, vor allem, weil sich erst einmal ein so gewissenloser Mediziner finden muss, der ein vollentwickeltes und überlebensfähiges Kind zerfleischt, aber ob dem wirklich so ist ... darüber darf spekuliert werden.

Eine ehemalige Schulkolegin war mit einem mehrfach behinderten Kind schwanger. Das Kind hatte keine Überlebenschancen und wäre nach Prognose der Ärzte wenige Wochen nach der Geburt verstorben. Da sie die 12 Schwangerschaftswoche allerdings schon überschritten hatte und die Fristenlösung nicht mehr in Frage kam, griff sie auf die eugenische Indidaktion zurück. Jedoch fand sich in Österreich kein einziger Arzt, der das Kind im vierten Monat abtreiben wollte und so entschied sie sich das Kind in Deutschland, wo die Gesetzeslage ganz ähnlich ist, zu töten.

Zwei Mitstudenten sprachen von einer Bekannten, die mit einem Kind mit dem Down-Syndrom schwanger war. Auch sie war schon über der 12 Schwangerschaftswoche und lies das Kind abtreiben, weil sie kein behindertes Kind auziehen wollte.
Kommentar der Studenten: Zum Glück gilt die Fristenlösung bei Behinderten nicht!

Mir sind Fälle indikativer Eugnik bekannt (nicht in Österreich), bei denen schon Kinder mit "kosmetischen Mängeln" ermordet wurden, die aber in der heutigen Zeit für die moderne Medizin kein Problem mehr darstellen. Ich spreche von Hasenscharten, überzähligen Fingern und Zehen.

Die Bestreben manche Länder gehen klar in die Richtung der eugenischen Indikation im Umgang mit Intersexuellen. Man möge sich nur schon einmal vorstellen, was das Geld kostet, wenn nach der Geburt keine geschlechtsangleichende Operation durchgeführt werden muss!
Intersexualität wird immer häufiger. Beides, euginische Indikation und Intersexualität sind absolute Tabuthemen. Es gibt keine Statistiken, so ist es leicht alles unter den Tisch zu kehren. Wie viele Kinder dürfen nicht das Licht der Welt erblicken, weil sich nicht in das gängige Zweigeschlechtersystem passen?
Ist es denn so schwer zu begreifen, dass auch wir eine Existenzberechtigung haben?

(Schon vor zwei Jahren habe ich zu diesem Thema einen Beitrag verfasst: Ermordung von Kindern

Interessant ist vor allem dieser Link:

Die Ausmaße de Fetozids

Trackback URL:
http://livingintersex.twoday.net/stories/4315934/modTrackback

nolderot - 7. Okt, 08:37

Es gibt aber auch einen ganz klaren Trend : Ja zum zwischengeschlechtlichem Leben. Ich kenne schon 4 Familien, bei denen die Mütter mögliche Überträgerin der Mutation AIS sind und die ganz bewußt keine vorgeburtliche Diagnostik haben machen lassen. Diese 4 Frauen haben alle ein scheinbares Mädchen geboren. In einem Fall weiß ich, dass eine Cromosomenanalyse machen lassen. Von den anderen weiß ich, dass sie nicht wissen wollen. Sie tun alles, dass ihr Kind eine unbeschwerte Kindheit erleben kann.

Was ist so abschreckend am zwichengechlechtlichen Kind? Gute Aufklärung und klarer Verstand, dass ind die Voraussetzungen für das Leben. Starke Eltern=starke KInder...

interlife - 7. Okt, 14:33

Hm, ich glaube dieser Trend "Ja zum zwischengesclchtichen Leben", kann es nur bei gut informierten und klar aufgeklärten Eltern geben. Wenn ich an die Situation in Österreich denke und ir Gedanken darüber mache, was hier mit hoher Wahrscheinlichkeit für Schauergeschichten erzählt werden, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich so ein Trend durchsetzt.

Da nützt nur eins: Flyer auflegen und auflegen und auflegen und das Gespräch mit den Medizinern suchen.

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