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Dienstag, 30. Januar 2007

Besuch bei ihr

Nun sitzt sie wieder hier, vor dieser Maschine und versucht die richtigen Worte zu finden. Worte, dich sie tippt. Worte, die vor ihr auf dem Bildschirm, Buchstabe für Buchstabe, erscheinen. Worte, die jetzt vielleicht jemand hören sollte. Doch Bildschirme sprechen nicht. Sie sind nicht einmal gute Zuhörer. Denn außer 1 und 0 verstehen sie nämlich nichts.
Es ist schon ein verkümmertes Wesen, dass um diese Zeit, es ist gerade 23 Uhr, in einem abgedunkelten Raum leise und traurig seine Gedanken einer großen weißen Flimmerkiste anvertraut. Wie tief mag dieser Mensch wohl gesunken sein? Ist sie einer jener Menschen, die nicht mehr fähig ist offen mit anderen zu sprechen. Ein sogenannter Sozialversager? Warum beschäftigt sie diese Frage immer wieder? Ist es etwa schon längst eine Gewissheit?
Nein, das ist sie sicher nicht. Vielmehr handelt es sich um einen Menschen, der es leid ist über sich zu sprechen. Ausschweifungen und nicht enden wollende Erklärungsversuche, wenn es um die eigene Gefühlswelt geht, sind eben nicht jedermanns Sache. So sitzt sie lieber Abends vor ihrem Computer. Fragt sich was wohl los mit ihr ist und weshalb sie seit Tagen wieder Herzschmerzen hat und kaum noch Luft bekommt. Diesmal sind diese Sypmtome real. Kein Symbol mehr für die Beklemmung, die sie über Monate beherrschte. Sie fühlt sich krank, ausgelaugt und gestresst. Versagens und Verlustängste machen sich wieder einmal breit. Nicht unbegründet! Soviel ist klar, denn wer sich des Müssigganges bedient, darf sich nicht wundern, wenn er die Rechnung präsentiert bekommt.
So sitzt sie da, tippt noch weiter und wir verlassen sie wieder. Schreiten langsam von ihr zurück und lassen sie in ihrem verdunkelten Zimmer weiter ihre Gedankennetze weben. Sie wird immer kleiner, das Tippen leiser und das Zimmer dunkler. Jetzt sehen wir sie nicht mehr. Es ist ganz still. Sie ist fort und keiner hat's bemerkt.

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eine Fremde (Gast) - 31. Jan, 08:48

Was aber, wenn es doch bemerkt wird? Was ist mit denen, die sich nicht durch aufgesetzte Komik täuschen lassen, die sowohl ihre Einsamkeit als auch ihre Trauer spüren? Die, die von ihr keine Antworten brauchen, kein Interesse an ihren Erklärungsversuchen haben, weil sie sie als Mensch so nehmen, wie sie ist? Die, die nicht weggehen sondern auch in der Dunkelheit einfach da stehen, zuhören, sich von ihrem „Geplärre“ nicht verschrecken lassen, weil sie es möglicherweise als eine Form des Überdrucks bewerten, dessen Ventil auch durchaus Selbstmitleid sein kann?
Was, wenn sie sich in der Dunkelheit einmal umdrehen würde um dann festzustellen, dass diese Menschen immer noch da stehen?
Sie brüllt, sie heult, sie lacht, sie schweigt...und trotzdem bleiben Menschen still stehen und reichen ihr die Hände.

Grüße dich!

Lichterkoenigin (Gast) - 31. Jan, 23:35

Es ist lange her, sehr lange her, dass ich hier war um zu lesen - auf dem Weg hierhin freute ich mich, freute mich von einem Leben zu lesen, das mir in so vielen Facetten bekannt vorkommt - Wahnsinnige verstehen sich wohl gut. Dann erschrak ich, las ich da doch etwas, das nicht wohl formulierter aus meinen Tasten hier hätte entspringen können. Wie oft frage ich mich, warum die Natur solche Pannen, wie bei uns produziert. Klar es könnte purer Zufall sein, ein einfaches Missgeschick, statistisch hoch wahrscheinlich, bei der Anzahl Produkte, die sie ins Leben entläßt - aber sind so viele Hundertausend Menschen auch noch ein Zufall, steckt da nciht vielleicht doch System dahinter? Dann sitz ich wieder da, ärgere mich über den mangelnden Verstand, den Grund für diese Typen Mensch zu finden, der uns zugedacht istMomente , die ich nur schwer ertragen kann, ich habe diesese Leben so nicht gewollt, habe keine Möglichkeit es zu ändern, würde es gerne zurück geben, würde auch gerne sehen, wie sich mein Blick auf den schwach beleuchteten Platz vor der Tastatur immer weiter weg bewegt, wie mein Platz immer kleiner wird und langsam im Dunkel verschwindet, wie ich verschwinde. Als mir diese Bilder gerade durch den Kopf gingen hielt ich augenblicklich inne, streckte meine Hände unwillkürlich aus, suchte jemanden fest zu halten. Es war genau dieses Leben, dass uns unsere Begegnung geschenkt hat. Ich brach nicht in Freundetänze aus, taumelte nicht vor Glück, nein es wurde ruhig, der Schrecken wich, eine wohlige Sicherheit umgibt mich, hüllt mich wie ein warmer Nebel ein - es ist Dein Dasein, das Licht in die Welt bringt und das ist alles andere als ein versagen. Es ist wunderschön, dass es Dich gibt und ich strenge mich an so spiegelnd zu glänzen, wie ich es nur eben kann, damit das Licht, dass Du verschenkst, genauso strahlend wieder auf Dich zurück fällt.

Eine geruhsame Nacht und einen strahlenden neuen Tag wünsch Dir die

Lichterkoeniging
Tag

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