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Samstag, 17. Juni 2006

ent|TARNT

Vor zwei Wochen wartete ich vor dem Büro eines Professors, dass der gnädige Herr doch entlich aufkreuzt (er kam so zwei Stunden zu spät). Vor dem Büro sind auf vier Tischen verschiedene Stundentenzeitschriften, Flyer und Werbung aufgebaut. Da ich ja sonst nichts zu tun hatte stöberte ich ich die alten Progress durch und stieß auf ein Interview mit Alex und Elisabeth. Mich in meiner Umwelt ertappt fühlend, steckte ich die Zeitschrift in meine Tasche um den Artikel zu einem späteren Zeitpunkt zu lesen. Ja nicht in der PA, man könnte mich ja enttarnen und daraufhin exmartikulieren, da Intersexuelle ja keine Lebensberechtigung haben. Es war wieder ein typisches Beispiel in einen Rückfall von alten Verhaltensmustern. Aus Angst erkannt und gebranntmarkt zu werden hätte ich am liebsten den ganzen Stapel Zeitschriften sofort verbrannt.

Mittlerweile weiß ich, was ich tun muss um aus diesen verdammten Verhaltensmustern endlich auszusteigen und dem ganzen locker entgegen zu stehen. Es ist so leicht und war früher doch so schwer: REDEN!

Es ist für mich kein Problem mehr darüber zu reden und andere zu informieren. Ich rede mir immer noch ein, dass ich dann ganz nervös werde, es mir unangenehm ist und die Welt zusammenbricht, aber es passiert einfach nie. Ich lebe noch immer und rede auch noch immer.
Auf jeden Fall habe ich geredet und das Gespenst hat seinen Schrecken nun verloren. Es gibt jetzt keine Angst mehr davor in der PA enttarnt zu werden, denn das habe ich jetzt selbst getan und so lebt es sich auch ein Stück besser.
Solche Ängste entstehen nur, wenn ich nicht von Anfang an nicht zu mir selbst stehe und meine eigenen Identität verleugne.

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bedani - 17. Jun, 17:57

ja, ganz genau so ist es. ging mir gestern auch so, als ich die journalistin traf. tage vorher dachte ich, dass ich keine lust habe, mit ihr zu reden, überhaupt, die verarscht mich sicher, dann wissen es plötzlich leute, die es nicht wissen sollten, und so weiter. und: ich mag gar nicht darüber reden, will damit nichts zu tun haben. dann erkannte ich, dass das nicht stimmt, dass ich sehr wohl gerne darüber rede und informieren will. habe diese journalistin also getroffen und sie vollgequatscht (drei bier und bedani quatscht noch mehr als gewöhnlich), zweieinhalb stunden geredet und geredet. und danach wieder dieses scheissgefühl, zwar nur ansatzweise, ganz zaghaft, aber es war da. auch schon vor dem gespräch mit der journalistin: dass ich das nicht darf, mich so zeigen, so entblössen, so 'darüber' reden. du hast wieder mal zuviel und zu intim geredet. was warst du wieder exhibitionistisch. pfui! und die liebe paranoia winkte natürlich auch wieder und kicherte hysterisch. denn jetzt weiss diese journalistin sogar wie ich wirklich heisse, wo ich ungefähr wohne und sonst noch viel mehr von mir. ja, dieser rückfall in alte verhaltensmuster - irgendwie geht das glaub nie ganz weg. aber man man es kontrollieren und ihm grimmig die stirn bieten! wir lassen uns nicht mehr den mund verbieten - auch von uns selber nicht! bedani :)

interlife - 17. Jun, 18:38

genau die selben gedanken hatte ich auch immer. ich kann dir zu 100% zustimmen, auch was deine gefühle dies bezüglich angeht. mir geht es da genau gleich.

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