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Montag, 29. Mai 2006

m.ü.d.e.

Um halb sieben aus dem Bett geschleppt, den Schlaf aus den Augen gerieben und an den Ort der Sinnlosigkeit gewandert.
Um sieben Uhr abends wieder durch die Haustür gekrochen.
müde
sinnlos
lange

Heute Abend bin ich mir zum ersten Mal seit langem wieder meiner selbstverschuldeten / gewollten Einsamkeit bewusst geworden. Seit ich jeglichen sozialen Kontakt zu anderen Menschen außerhalb meiner Studien- und Arbeitsumwelt abgebrochen habe, sind etwa zwei (nein, etwa schon drei?) Monate vergangen und ich habe mein neu errungenes Einsiedlerleben genossen. Doch heute Abend fehlt es mir. Diese Oberflächlichkeit, diese unmögliche Art bestimmter Menschen, wie sie anderen zeigen, dass sie anderer Meinung sind. Das Anschweigen und in den Tischfussballkasten starren. Die wenigen gesprochenen Worte eines Abends, die sich oft nuf auf ein "bring mir auch noch ein Bier mit" beschränkten.
All diese Oberflächlichkeiten fehlen mir heute Abend, denn zum ersten Mal seit langer Zeit ist mir nicht nach tiefsinnigen und gedankenraubenden Gespräche zumute.
Heute bin ich ein klein bisschen Einsam und deshalb wälze ich mich nun ein bisschen im Selbstmitleid über meine selbstverschuldete Einsamkeit um morgen wieder stark zu sein. Damit ich mir wieder einreden kann, dass ich die eh nicht brauche um Glücklich zu sein.

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bedani - 29. Mai, 22:38

liebes interlife
heute wollte ich nach dem spaziergang mit hundi nicht nach hause - schon das zweite mal diese woche. ich hätte es einfach nicht ertragen, schon so bald wieder in meinen vier wänden zu sein und immer derselbe blickwinkel. ich ging also wieder mal auf den hauptbahnhof, weil es dort so viele leute hat (die aber schön brav vorbeihetzen, hihi). ich trank ein bier und schaute den leuten zu - und dann mein hundi an - und dachte: ja, ich bin die mit dem hundi. sitze da.
das leben der wenigen leute, die einem nahe stehen, hat sich verändert - kind oder doktorarbeit oder studienwechsel oder trennung - und schon ist man allein. oder man mag die leute selber nicht mehr treffen oder nicht so oft, wie die eigentlich möchten. ja, und du bist so weit weg.
ich mach mir jetzt eine liste von allen möglichen und unmöglichen leuten und gehe mindestens jeden dritten abend raus. oder ich stürze mich in die arbeit. oder beides.
ja, du, wenn ich dich wäre, würde ich das auch tun. manchmal ist es wirklich besser, irgendwo sitzen und trinken und was quatschen als nicht.
ich drück dich und schick dir zuversicht. wälz dich nur, das tut gut, das habe ich auch endlich gelernt: man muss die gefühle zulassen, zum beispiel eben selbstmitleid oder traurigkeit.
bis bald bedani

interlife - 29. Mai, 22:52

hallo bedani,
zum teil hast du recht. auf der einen seite frage ich mich, ob ich mir die gesellschaft von menschen, mit denen mich nichts mehr verbindet und die ganz offensichtlich ein problem mit meiner lebensweise und identität haben, zumuten will.

ich sehne mich nach den menschen, die mit so nahestehn, die ich irgendwo zurückgelassen habe. Irgendwo die letzten jahre auf der strecke geblieben sind. Nach jenen, die jede verdammte Sekunde meines Lebens bereichern/bereicherten.
Doch die sind alle so weit weg.
Manchmal möchte ich nicht mehr schreiben sondern reden.
Kein Textfeld, dass sich langsam fühlt und dass man runter scrollt, sondern ein Gesicht, mit Augen, Nase, Mund und Ohren.
Meine Einsamkeit beruht wohl in der Erkenntnis, dass sich feststellen musste, dass der überwiegende Teil meines sozialen Lebens sich mittlerweile auf eine viereckige Kiste verlagert hat, die mich mich anderen Menschen verbindet.
Das was draußen vor meinem Fenster vor sich geht berührt mich nicht mehr wirklich. Dafür habe ich keine Augen.
Ein Armutszeugnis.
ich drück dich auch. ganz fest.
interlife
bedani - 29. Mai, 23:05

nein, mit menschen, mit denen dich nichts verbindet und die ein problem mit deiner lebensweise haben, sicher nicht. da hast du recht. ja, ich lasse das 'unmögliche' glaub auch weg ...
ansonsten gleichen sich glaub unsere erkenntnisse sehr - deshalb bin ich heute auch geblieben, wo ich war, ertrag das manchmal auch nicht mehr, obwohl es oft sehr schön und gut ist.
ja, gemma mal schlafen.
gute nacht
bedani
isisi - 1. Jun, 00:15

selbstverschuldete einsamkeit.. selstmitleid deswegen.. geht mir oft genug ähnlich *seufz*

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