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Dienstag, 18. Dezember 2007

Erstes Jahresgedächtnis

Nach einem Jahre T,
zieh ich heut mal wieder Resumé,
denn Schwabel und Hitzewallung sind längst passé
(Hach, das reimt sich ja!)

Körperlich, ach welch Wunder bei CAIS, hat sich nicht die Bohne getan. Der blonde Bart ist so rar und so unauffällig und so nicht existent, dass er nicht zählt. Wohl aber zählen die 10 Kilo, die ich nun weniger mit mir rumschleppe. Nur noch fünf, dann bin ich wieder fettfrei, ein Lightprodukt sozusagen. Testosteron ist also DER Fettburner und die Haut straft sich wunderbar. Yea ich bin so was von sexy! *räusper*

Seelisch bin ich ausgeglichener und ruhiger. Meine Niederlagen hab ich gut weggesteckt. Meine wunderbare Melancholie (meine Muse) ist mir abhanden gekommen. Dieses "ich ruhe in mir selbst" ist so was von fad, ich sollte das Testosteron wieder absetzten und mit Östrogen anfangen. Dann wär mal wieder ein bissche Würze im Alltag. So nach dem Moto "Selbstmitleid fressen Depression auf" oder "Ich verstümmle mich nun selbst und schneide mir die Zehennägel". Jaja, mir geht es viel zu gut und daran ist nicht nur das T schuld.

Also nach einem Jahr kann ich nur sagen, dass es mir blendend geht. Zuvor legte ich exponential (Steigerungsquotient = 10^5) Gewicht zu, wurde von Hitzewallungen geplagt und war psychisch so instabil wie Plutonium vor der Kernschmelze.

So, genug der Werbung.

Sonntag, 25. November 2007

...

Wie abgeschlossen kann eine abgeschlossene Geschichte wie die diese eigentlich sein?
Ich spiele mit dem Gedanken der ganzen Sache den Rücken zu zuwenden und die Fliege zu machen. Intersexualität ist heute noch mehr in den Hintergrund gerückt als sonst. Da ist jetzt wirklich gar nichts mehr was drückt. Gar nichts. Ich mag mich, diesen Körper, diese Chromosomen und diesen Menschen, der ich sein soll. Ich kann in den Spiegel blicken und sagen: He, das bin ich und das ist gut so. Ich kann über die Unmöglichkeit Mann zu sein sinnieren ohne dass es schmerzt. Ich fühle mich Jenseits der Geschlechter, ich fühle mich als Mensch. Geschlechtslos?
Geschlecht spielt schon lange keine Rolle mehr für mich. Auch wenn ich Hormone und Pheromone in Tonnen produziere/zuführe, fühle ich mich deswegen nicht männlicher oder weiblicher. Es scheint ganz so, als hätte ich meine Befreiung außerhalb des Bipolaren gefunden. Nein, nicht im dritten Geschlecht, nicht als intersexueller Mensch, außerhalb dieser ganzen Normiererei. Kein Graubereich, keine verschwomme Zone, sondern außerhalb dieses ganzen Denkens. Ich bin keine Gruppe. Da wo ich stehe, spielt all das keine Rolle mehr. Der Geschlechterhimmel sozusagen. *g*
Und so ist es wohl verständlich, dass ich mich gerne aus deisem ganzen Intersexkram zurückziehen möchte, doch das ist wohl nicht so leicht, immerhin habe ich mir die letzten Jahre so einiges an Arbeit angetan, die ich heute wohl nicht mehr so einfach los werde. Es wäre schön zu sagen: "Könnte das bitte jemand übernehmen, ich mag nicht mehr", aber so einfach ist es nicht. Naja, warum sollen andere Menschen nicht von meiner derzeitigen inneren Ruhe und Verfassung profitieren können... mal sehen.

Und die Message des Tages:
Intersexuell sein ist auch sau schön, wenn man es schafft dieses Leben annehmen zu wollen. So was geht natürlich nicht von heute auf morgen und ich habe auch viele Jahre früher damit anfangen können, als viele andere, doch es lohnt sich über seinen Schatten zu springen und die Sache in Angriff zu nehmen. Es ist nie zu spät.

Samstag, 17. November 2007

Kommentare auf Indymedia

Der Grund, weshalb ich mich gekonnt von jeglichen Aktivitäten mit Presse und Film fern halte ist, dass ich meine Neven schlicht und einfach nicht permanent mit wirklich dummen und unreflektieren Kommentaren unnötig strapazieren will. Zwar werden mir Neven aus Stahl nachgesagt, aber bei solchen Griffen ins Klo werd ich zum wilden Tier:

Eine kleine Auswahl von Kommentaren zu einem heute veröffentlichten Artikel auf Indymedia:

Die meisten Intersexen im deutschen Spreachraum sind ganz schön wahnsinning.......
oder
also ich find chicks with dicks geil :-)

Genauso, wie es körperliche Intersexualität gibt, ist die Seele noch komplexer. Was die Religionen und besonders das Christentum diesen Menschen sprich homosexuellen und lespischen Menschen antat und antut, macht mich wütend.

Quelle:
http://de.indymedia.org/2007/11/199653.shtml
http://ch.indymedia.org/de/2007/11/54474.shtml

Hm ja, drei Kommentare und einer hohler als der andere. Sorry, aber ich könnte das meinen Nerven nicht zu muten und Hut ab vor jenen, die sich jeden Tag aufraffen und sich mit solchen geistigen Ergüssen auseinander setzen.

Samstag, 10. November 2007

Rezension: Die Katze ist kein Vogel

Melanie Jilg ist jung, talentiert, kreativ und ohne jeglichen Geltungsdrang. Sie ist die Schöpferin des Films "Die Katze ist kein Vogel". Anders als in Scharangs Tintenfischalarm, bei dem sich spätestens nach Minute 15 dem Zuseher der Gedanke aufzwängt, ob Scharang nicht einen gewissen Geltungsdrang zu befriedigen hat, bleibt Jilg vollkommen im Hintergrund. Das Konzept Menschen mit nur einer einzigen, fixen Kameraeinstellung in close-up zu protraitieren ist äußerst gut gelungen. Jilg stellt lediglich präzise und gut gesetzte Zwischenfragen. Was bleibt sind vier Menschen, die erzählen, wo lange geschwiegen wurde.

Ich kenne alle vier Protaginisten und ich kenne alle vier Einstellungen und so kam ich ins Grübeln. Intersexualität lässt so viele Möglichkeiten, so viele Lebenskonzepte so viele Arten des Erlebens und Umgangs zu.

Über den Inhalt zu urteilen ist nicht möglich, denn wie soll ich einen Film mit Menschen, die ich kenne und zu denen ich ich mich verbunden fühle, objektiv in Scheiben schneiden?

Ich hätte gerne noch mehr gehört, doch leider ist der Streifen wirklich kurz geraten. Was bleibt ist dieses wirklich großartige Konzept. Ein Experiment, dass durch und durch stimmig und gelungen ist und kaum noch fragen offen lässt. Es gibt tiefe Einblicke in das Leben von Menschen, die auf mich eine unheimliche Ausstrahlung haben. Große, starke, verletzte, schöne Menschen.

Ich danke den Protagonisten für ihren Einsatz und die Mühen. Und ja: "Alleine ist das nicht zu bewältigen" und unsere Identität hat noch tausende anderer interessanter und wichtiger Aspekte. Intersexualität ist manchmal nur ein Sandkorn. Ein Sandkorn, dass uns zusammenführt.


(Sehr schlechte Rezension, gar nicht sachlich, aber trotzdem: Anschaun! Es lohnt sich!)

Nachtrag:
Ganz großartig ist die Musik im Abspann. Ich kann einen Film mit Zombie von Kante nur lieben. Ein stimmiges Lied für das Thema.

Freitag, 26. Oktober 2007

Heute ist Welt-Intersex-Tag

Wie jedes Jahr am 26. Oktober ist auch heuer wieder der internationalen Tag der intersexuellen Menschen ausgerufen worden.

Ein paar Gedanken:
  • Noch immer werden jeden Tag Kinder für die Norm des Geschlechts verstümmelt.
  • Noch immer ist Intersexualität in der Gesellschaft ein Tabu von solcher Größe, dass es Betroffenen noch immer schwer fällt aus der Isolation heraus zu treten, weil sie das Gefühl haben sich zu outen.
  • Eugenik gewinnt in einer von Perfektionismus getriebenen Gesellschaft immer mehr an Stellenwert. Die pränatale Diagnostik ermöglicht die Ermordung von zwischengeschlechtlichen Menschen vor ihrer Geburt. Es gibt keine Zahlen, aber es wird uns bald nicht mehr geben.
Nichts desto Trotz, hat sich auch viel getan.
  • Eine kleine Gruppe von Menschen steht auch heute wieder auf der Straße und leistet großartige Öffentlichkeitsarbeit, verteilt Flyeer und mach Aufmerksam.
  • In den letzten Jahren wurden eine Fülle von Veröffentlichungen, nicht nur von unserer Seite, getätigt, die mehr waren als nur ein Troßfen auf den heißen Stein. Pressemitteilungen, Reportagen, Interviews, Filme, Radiosendungen - es wurde viel gemacht und geleistet. Intersexualität ist weniger Tabu als noch vor 10 Jahren. Eltern werden besser informiert und haben heute die Möglichkeit sich umfassend von Menschen beraten zu lassen, die selbst mit der Sitation konfrontiert sind.
Es hat sich schon viel getan, doch es gibt noch so viel zu tun. Die nächsten 10 Jahre sind wahrscheinlich entscheidend für die Zukunft der nächsten Generationen. Ich bin gespannt und danke an dieser Stelle all jenen Menschen, die sich jeden Tag aufs Neue in hinein knien und so großartige Arbeit leisten. Weiter so!

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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