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Dienstag, 2. Oktober 2007

Der Bart

Ich habe nachgedacht (, denn ich habe defintiv viel zu viel Zeit zum Nachdenken) und festgestellt, dass ich gerne eine Bart hätte.
Als vor über 20 Jahren mein Vater meinen Kinderarzt fragte, was wäre, wenn ich eines Tages als Mann weiterleben möchte, sagte dieser einfach "Geht nicht". Als ich dann 23 Jahre später Testosteron zuführte war da schon so ein kleier Hoffnungsschimmer. Es könnte ja sein, dass sich etwas geändert hat. Dem war aber nicht so.
Im Moment gibt es kein Szenario, welches mich auch nur annähernd zufrieden stellen könnte. Ich will nicht als Hermaphrodit leben. Abgesehen von der Tatsache, dass ich so keinen Job bekommen würde, sehne ich mich wenn dann schon auch nach ein wenig äußerer Eindeutigkeit, einer männlichen Eindeutigkeit. Doch das ist und bleibt Wunschdenken, aber es lässt mich einfach nicht mehr los. Zwar kann ich mich damit trösten, dass ich ein intersexueller Mensch und sowohl als auch bin, aber Bart wächst mir davon auch keiner und es ändert auch nichts an der Tatsache, dass ich als Frau wahrgenommen und angesprochen werde. Alles andere wäre einfach nur lachhaft.

Es ist sehr schade, dass ich an diesem Zustand nichts ändern kann. Ich bin in meinem Körper gefangen und ich werde wohl nie mein Inneres mit meinem Äußeren in Einklang bringen können. Dieser Umstand mach mich traurig, aber wie heißt es so schön:
"Löse die Probleme die du lösen kannst und versuch nicht etwas zu ändern, wenn du nichts dagegen ausrichten kannst!" - Man versuchts, aber ist eben manchmal doch recht schwer.

Intersexion Café

Ein multilinguales Forum, welches es sich zum Ziel gesetzt hat zwischengeschlechtliche Menschen aus allen Teilen der Welt zusammenzuführen:

Intersexions.org

Eine wirklich großartige Idee und ich bin gespannt wie sich dieses Projekt in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Und weil ich heute alles linke was mir über den Weg läuft:

Internationale Vereinigung von Intersexuellen
Intersex Pride - Das Weblog dazu auf Englisch
Das Weblog dazu auf Deutsch

Spiderman hätte in Anbetracht einer solchen Vernetzung sicher die helle Freude.

Hermaphroditische Küsse

von Curtis E. Hinkle

Ich schaue dich zum ersten Mal an
Du senkst deine Augen, der kleine schüchterne Bursche
Und behutsam lächelst du und ich nehme deine Hand
In meine - zwei hermaphroditische Hände

Ich nehme dich in meine Arme und drücke dich an mich
Dich den kleinen Burschen mit der Porzellanhaut
Weich wie Samt - Es verursacht mir Schauer
Und ich das grosse Mädchen mit einem Bart

Ich spüre dich schliesslich in meine Arme sinken
Unsere zwei Körper singen in Einklang
Ich lege meine Lippen auf deine
Zwei elektrische Körper - zwei funkelnde Seelen

Ein langer Kuss, einer auf den wir so lange gewartet haben
Zwischen zwei Hermaphroditen die sich endlich finden
Und ich flüstere zärtlich in dein Ohr
Ich liebe die Jungen die Mädchen sind...

Die Mädchen lieben die Jungen sind.

Es gefällt, wahrscheinlich, weil es eben so echt und natürlich und ohne jeden Pathos daher kommt.

Hilfe - ich bin eine Frau

Letzte Nacht hatte ich eine Albtraum und als ich aufwachte, war ich mir gar nicht sicher, ob das nur ein Traum war oder eine Begebenheit aus meiner Kindheit. Nach 10 Minuten war ich mir dann aber doch recht sicher, dass es ein Traum war.

Im Traum erzähle ich meine Eltern, dass ich geträumt hatte, dass man mir als Kind eine Neovagina verpasst hätte und ich in Wirklichkeit das MRKH Syndrom hätte (Das sind die, die den lieben langen Tag betonen, dass sie doch richtige Frauen sind und bei denen die Neovagina die Antwort auf alle Probleme ist).
Meine Eltern fanden den Traum allerdings gar nicht so witzig wie ich und schauten mich schockiert und stumm, mit weit aufgerissenen Augen auf. Ich - natürlich schockiert, dass es kein Traum war, sondern die Realität - flippe total aus und die ganze Aufarbeitungsgeschichte beginnt von neuem. Ich stelle meine Identität in Frage und bin plötzlich wieder 14.

Interpretation:
Ich bin froh nicht das MRKH Syndrom zu haben, weil ich dan vielleicht Neovaginas toll finden würde und mich den lieben langen Tag in meinem Frau sein bestärken würde (Das hab ich von 14 - 17 gemacht und es machte mich kaputt. Versuchen einer Rolle zu entsprechen, die man nie erfüllen kann, ist nicht gesund - für mich zumindest).

Das ganze könnte aber auch bedeuten, dass ich Angst habe, dass meine Selbstwahrnehmung ein Trugbild ist oder auf falschen Annahmen beruht. Dem ist natürlich nicht so.

Vielleicht ist es aber auch ein innerer Groll, den ich gegen meine Weiblichkeit hege und in nun versuche zu kompensiern, indem ich einen fiktiven Sündenbock schaffe.

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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