Dienstag, 27. Juni 2006

Stunden später

Wie bringt man Wut zum Ausdruck? Wie kann ich ihr mit meinen Worten Nachdruck verleihen? Geht das überhaupt noch? Welche Freiräume bietet das Korsett der Sprache dem sich schreibend ausdrückenden Menschen überhaupt?

Der Bogen des Möglichen wurde längst überspannt und die Suche nach Lücken und Freiräumen, die dem Ausdruck Platz verschaffen sollten wurden nicht gefunden? War deswegen aber alles umsonst?
Auch heute bin ich wieder betrunken. Es passiert nicht mehr einfach so. Es ist kein Trinken des Genusses wegen, nein, es ist ein gezieltes Betrinken um vielleicht in diesem Zustand der nicht mehr vollen Zurechnungsfähigkeit ein Ventil zu finden, das meinen ganzen Frust, der natürlich wie immer durch meine eigenen Unzulänglichkeiten selbst verschuldet ist, ins Nirvana ableitet.
Es ist Wut.
Blanke Wut, weil ich es nicht geschafft habe mich aus der Aphäre zu ziehen. Mir diesen Schwachsinn stundenlang angehört habe und diesen leere Phrasen auch noch zugestimmt habe.
Wut, weil ich nicht mehr ich war und nicht den Raum bekam um ich zu sein.
Wut, weil ich eine Kategorisierung und Schubladisierung zugelassen habe und nicht die Möglichkeit fand mich dagegen zu verteitigen.
Wut, weil ich diesem Schwachkopf Dinge erzählt habe, die ihn nichts angehen und Wut, weil seine anschließenden Ausführungen so bekloppt waren, dass ich nur noch die Flucht in ein weiteres Bier suchen konnte.
Und vor allem Wut, weil ich mich zum ersten Mal bewusst manipulieren lassen habe.
Wut, weil ich so ein Idiot bin.

Und da ich nun vor lauter Kausalitäten nicht mehr weiter weiß und ich mich nun langsam wieder beruhige, weil ich doch die richtigen Worte gefunden habe, trinke ich nicht mehr weiter, sondern hole jetzt den längst verdienten Schlaf nach.

Frankophile Betrunkenheit

Ingeborg Bachmann schrieb...
ungeschlechtlich, zwischengeschlechtlich, weiblich.
Die Kritiker, die sie versuchten zu verstehen hielten es für ein weibliches Mysterium.
Ingeborg Bachmann war intersexuell. Meine persönliche Hypothese. Ich halte sie für wahr. Meine persönliche Wahrheit. Mein Bezug.


Ein langer Abend liegt hinter mir. Ich bin berauscht/betrunken und musste glücklicherweise keinen Cent ausgeben.
Stundenlange Gespräche mit einem Dr. der Philosophie, Pädagogik, Psychoanalyse, Germanistik, Französisch.... was weiß ich, was er noch alles studiert hat, auf jeden Fall ist er mein "Chef" liegen hinter mir. Gespräche, die keine Gespräche waren. Diskussionen, in denen er sich am liebsten selber reden hörte. Ich bin sein Jünger. So scheint es ihm und ich tue ihm diesen Gefallen und doch sind wir ebenbürtig. Er - 20 Jahre älter - wurde von mir belehrt. Nun bin ich sein "Aphrodit" wie der Franzose sagt. Ach ja, er ist Franzose marokanischer Abstammung und es hält ihn hier in Österreich, Vorarlberg. Seltsam. Ein Mann, der Übersetzer ist. Literatur übersetzt. Gefragt ist.
Wie hält es so einen hier?
Ich habe ihn vollgequatscht, schockiert und hoffentlich zum Nachdenken angeregt. Er, ich bin sein "Aphrodit", meinte, er habe eine sexuelle Beziehung zu einem Hermaphroditen damals in Paris gehabt. Er quatschte Bullshit. Er, der Dr. Dr. Dr. philosophierte von Dingen, die er nicht nachvollziehen kann. Eine leere Philosophie, die lieb gemeint war, aber keinen Inhalt hatte. Er, der in einem matriachale geprägten Wüstenvolk geboren wurde (waren es die Berber, ich denke schon) und groß gezogen wurde.
Jetzt weiß er auch Bescheid und er wird darüber reden. Wird meinen Freigeist nachvollziehen lernen.

Für's erste ist für heute Schluss. Morgen früh geht es an die nächste Seminararbeit. Ich werde Unsinn schreiben, denn die Thematik ist für mich allzu fremd. Egal, meine Unwissenheit wird überdurschnittlich gut Benotet werden, so wie es dieses System eben verlangt

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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