Sonntag, 18. Juni 2006

Nacht|gedacht

Ich fühle mich in meiner Ausdrucksfähigkeit beschnitten. Eingeengt. Es kann einfach nicht raus was ich sagen will. Schreiben reicht schon lange nicht mehr. Reden und schreien nicht. Neue Mittel und Wege müssen her um andere Schleusen zu bedienen auf die ich keinen Zugriff habe. Aber welche? Womit kann ich mich noch ausdrücken außer dem geschriebenen Wort. Ich wüsste nicht eines und selbst das Schreiben ist in letzter Zeit zu einem unbefriedigenden Zeitvertreib geworden. Das Fenster geht nicht mehr auf, ich habe keinen Zugriff mehr. Ich blicke durch ein Schaufenster, kann aber nicht auf das, was ich unbedingt aus meinem Kopf hinausbringen will, zugreifen. Wer weiß, vielleicht ist die Zeit noch nicht reif dafür, damit diese Dinge zu Tage treten, aber ich halte es nicht mehr aus.
Ständig habe ich das Gefühl, dass ich meine Zeit absolut ineffektiv nutze. Soblad ich auch nur eine Minute dasitze und nicht mache und auch nur ein Hauch von Langeweile aufkommt kommt der altbekannte Selbsthass wieder hoch. "Du Versager! Du Taugenichts! Deine Langeweile ist das Ergebnis deiner eigenen Unzulänglichkeiten! Weíl du so verkommen bist bringst du es zu nichts und kannst dich nur langweilen! Das ist alles wozu man dich gebrauchen kann! Langweile und das Nichts produzieren!". Ja, solche Gedanken schießen mir durch den Kopf. Aber ich bekomme sie wieder in den Griff, zumindest langsam. Ich lese viel, heute den ganzen Nachmittag bis in den Abend hinein den Opernball von Josef Haslinger. Sehr vulgär und dieser ständige Rechtsradikalismus, der einem im Hirn durch das Lesen produziert wird und für normal immer auseinadergenommen wird, aber weil es Literatur ist nicht gemacht werden kann, verwirrt mich. Das ist wie eine Störfrequenz. Gedanken, die verachtete und nicht nachvollziehbare Gedanken sind, aber gedacht werden. So, als wäre man dazu gezwungen den ganzen Tag die verbale Scheißerei (ich bin auch vulgär) eines Nazis anzuhören. Aber am Schlimmsten ist wohl jener Rechtsradikalismus, der sich tarnt. Er tarnt sich in dem er sich als objektiven Bericht ausgibt. Vermeintlich liberal ist, aber doch nur Fremdenhass hervorrufen will. Etwas, was mir letzte Zeit oft passiert, wenn ich in Blogs lese. Blogs, die sich als Profiblogs tarnen, die politisch interpretieren und man auf den ersten Blick das Gefühl hat einen doch reicht objektiven Bericht, soweit das möglich (oder eben auch unmöglich) ist, zu lesen. Doch nach spätestens zehn Zeilen ist klar wo man gelandest ist. Gefährlich ist das.
Und noch eine Erkenntnis ist mir heute gekommen.
"Ja, diese Radikalen..." (egal ob rechts, links, oben oder unten oder horinzontal schräg nach mitte unten) oder von mir aus auch "Ja, diese Gemäßigten..." oder nein vielleicht doch besser "Ja, dieses Lagerdenken...?" vielleicht auch "Ja, diese Denkenden..." oder "Ja, diese Unwissenden..."

Auf jeden Fall gibt mir die Auseinandersetzung mit der österreichischen Nachkriegsliteratur schwer zu denken und ich werde noch viel weiterlesen, egal wie verwirrend diese Gedanken zum Teil auch sind. Ich kenne die Geschichte, die Menschen aber die Auseinadersetztung noch zu wenig. Und doch gerade die Auseinadersetzung macht doch den Wert einer Gesellschaft aus.
Nestbeschmutzer? Was sind bitte Nestbeschmutzer? Bernhard, Bachmann, Jelinek, Hasliner, Ransmayer und wie sie alle heißen? Sind das Nestbeschmutzer? Welches Nest denn bitte? Diese System bescheißt sich doch selbst! Wer hat jemals gesagt, das Österreich stubenrein ist und keine braunen Klattern mehr zurück lässt? Nest, Nest, Nest. WER?


"Die das Nest schmutzig machen, zeigen empört auf einen, der ihren Schmutz bemerkt und nennen ihn den Nestbeschmutzer.", meinte Max Frisch.

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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