Donnerstag, 15. Juni 2006

Junidepression

Ein Gefühl von Einsamkeit macht sich heute Abend wieder breit in mir. Wie ein schwarzer Mantel hüllt es sich um mich und legt mir den eisernen Ring um meine Brust, der stramm verschlossen wird und in einem finalen Schmerz gipfelt: Enge.
Heute vermisse ich wieder meine Geschlechtsgenossen. Sehne mich nach ihrer Nähe und Zuneigung. Guten Gesprächen, die durch viel Alkohol durchzogen sind und erst Stunden später in einem Gefühl von innerer Ruhe und Behaglichkeit enden. All das vermisse ich heute Abend so sehr, dass es wieder einmal schmerzt. Ich sage: Ich liebe euch, so wie man einen Freund lieben kann. aber ich sage es nicht, ich schreibe es, denn ihr seit heute nicht da. Seit weit Weg. Hunderte Kilometer trennen uns alle voneinander. Jeder versucht sein geregeltes Leben auf die Reihe zu bekommen und doch sind wir uns nah. Ich fühle es.
In letzter Zeit denke ich so häufig an euch, möchte euch umarmen und euch sagen, wie gern ich euch habe und wie sehr ich euch brauche. Ich vermisse, dass es schmerzt, aber jetzt heißt es sich in Geduld üben und nicht verzagen und warten, dass wir uns bald wiedersehen. Bald

Von Rum und Türen

Nur Fetzen von Situationen, Szenen, gesprochenen Diaologen und Gesten sind von letzter Nacht noch in meinem Gedächtnis verblieben. Der Rest ist ein dunkles Tuch gehüllt, dass von einem großen Fragezeichen geprägt ist. Was ist letzte Nacht noch alles geschehen? Es ist ein dumpfes Gefühl des Zeitverlustes. Es sagt mir, dass der Abend nur wenige Stunden dauerte, aber in Wirklichkeit bin ich erst spät nach zwei Uhr in ein Bett gefallen, dass nicht meines war um einen traumlosen und erholsamen Schlaf zu schlafen, an dessen Ende zum ersten Mal seit langem keine Angst mehr stand.

Eigentlich wollte ich gestern Abend nicht mehr aus dem Haus gehen und Absagen, doch wie es der Zufall so will bin ich doch noch gegangen und es war, wie sich herausstellen sollte, einer der besten Abende seit langem. Ich kenne meine Mitstudenten nicht wirklich gut. Studium ist Arbeit und bei der Arbeit redet man nicht über Privates oder Persönliches. Gestern Abend war es anders. Die Caipirinhas wirkten, oder besser gesagt der Rum und das Bier tat sein übriges dazu, sodass ich schon nach wenigen Stunden wie ein Buch quaselte und allen die Botschaft aufs Auge drückte, dass ich ein Zwitter bin. Eigentlich tu ich das nicht gerne. Denn ich empfinde es als eine Zwangsbeglückung meines Gegenübers. Wenn ich mich als intersexuell 'oute' stelle ich mich selbst in den Mittelpunkt, fange an zu reden und kenne keine Grenzen mehr. Ich mag mich so nicht, denn es ist für mich eine Art des Profilierens und profilieren ist etwas was mir überhaupt nicht liegt. Aber gestern war das auch irgendwie anders. Es hat gepasst und ich habe jetzt wieder einen Kontakt zu einem Arzt bekommen, der mir möglicherweise hilft, denn bis gestern war ich mir der Tatsache gar nicht bewusst, dass ich Menschen in meinem Umfeld habe, die eine Unzahl von Ärzten kennen.
Gestern bekam ich zum ersten Mal seit langem kein verhasstes Mitleid und auch der Hundeblick wurde nicht hervor gezogen. Es wurde einfach darüber diskutiert und mir wurde Hilfe angeboten. Vielleicht eine Chance, nein, endlich DIE Chance eine vernünftige Hormonersatztherapie zu erhalten, die nicht auf Wechseljahrhormonen beruht.
Manchmal ist es besser seine Müdikeit wegzustecken, sich aufrafft und andenen Menschen eine Tür öffnet.

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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