Montag, 2. Mai 2005

Wieder einmal Klartext.

Wieder einmal Klartext.
Gerade eben saß ich auf der Terrasse und genoss die Sonne in vollen Zügen. Nach fünf Minuten aber begann ich mich wieder selbst herunterzuziehen. Zuvor hatte ich etwa eine halbe Stunde das Forum der intersexuellen Menschen gelesen und leider hat sich mir wieder sehr deutlich ein fixes Bild, welches ich von mir selbst und anderen Intersexuellen habe, aufgezwängt.

Als ich nun also auf besagter Terrasse saß und ich mich selber herunterzog schrie ich innerlich plötzlich STOP!

Ist es nicht so, dass ich mich viel zu intensiv mit meiner Intersexualität beschäftige? Ich habe auch noch ein anderes Leben das nicht von Intersexualität geprägt ist. Ich habe Freunde, die zu kurz kommen und ich fühle mich ständig schlecht, weil ich mein Gehirn mit Intersex-Nonsense überlaste.

Nehme ich mich als Intersexuelle nicht viel zu wichtig? Eine Beobachtung, die ich nicht nur an mir festgestellt habe, sondern auch bei anderen intersexuellen Menschen. Wir stellen uns in den Mittelpunkt, fühlen uns missverstanden, lassen uns über die Ungerechtigkeit, die uns widerfährt aus. Zu welchem Zweck?
Um uns selber zu Bemitleiden und um uns selber so wichtig zu nehmen wie es nur geht.
Damit MUSS ein für allemal Schluss sein!

Wir sind nicht besser oder schlechter als andere Menschen. Es gibt viele Menschen auf dieser Welt, denen es viel schlechter oder schlimmer ergangen ist als uns. Wir müssen uns in erster Linie nicht darüber sorgen, wie wir dieses unerträgliche Hungergefühl stillen können. Uns geht es so gut, dass wir einen kleinen Teil unseres Lebens als absoluten Mittelpunkt des Universums betrachten können.
Hochmut ist wirklich keine Tugend, aber genau diese nimmt, so wie es mir scheint, überhand.
Nein, wir sind nichts besonderes. Unsere körperliche Konstitution alleine betrachtet ist durch ihr geringes Auftreten als etwas besonderes zu sehen. Nicht aber wir als Mensch sind besonders. Wir sind gewöhnlich, der Durchschnitt und mittelmäßig, genauso wie die restlichen 95% der Weltbevölkerung.
Wenn wir besonders sein wollen, müssen wir auch besondere Dinge leisten und uns vor allem nicht selber als besonders anpreisen.
Kollektives Selbstmitleid und Hochmut bringt uns alle nicht weiter!
Amen

(Ich weiß, heute ist Montag und nicht Sonntag.)

Interlife, die zum Nachdenken anregen will.

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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