Montag, 25. April 2005

Interlife geigt auf!

Ok, ich war heute schon beim Gyn und es lief richtig gut. Besser als ich es mir erwartet habe.

Jetzt habe ich aber auch noch mit meinen Eltern geredet.
Ja! Es ist war.
Ganz ruhig und nüchtern habe ich meiner Mutter und meinem Vater von Intersexualität berichtet. Was ich gedenke zu tun und welche verschiedenen Formen von Intersexualität es gibt. Auch über die Selbsthilfegruppe haben wir gesprochen. Sie sind auf meiner Seite und freuen sich für mich und wollen mich wo es nur geht unterstützen.
Von den Ärzten wurden sie, soweit ich das bis jetzt beurteilen konnte, nach Strich und Faden angelogen. Über diese Lügen werde ich in einem anderen Eintrag noch ausfühlicher Berichten, aber ich finde es doch immer wieder sehr unterhaltsam zu erfahren, wie wenig Ahnung doch die studierten Mediziner hatten, bei denen ich in Behandlung war.
So soll zum Beispiel ein Arzt zu meinem Vater gesagt haben, dass er der Überträger des defekten Genes sei. ;). Jaja, was die wohl studiert haben?
Auf jeden Fall geht es mir wunderprächtig gut und am liebsten möchte ich die ganze Welt umarmen.
Entlich habe ich auch mit meinen Eltern reinen Tisch gemacht und ich kann auch daheim offen darüber mit ihnen reden und was viel wichtiger ist, dass ich ihnen jetzt die Möglichkeit gegeben habe mit mir zu reden. Sie haben noch viele Fragen, die nicht alle heute Abend beantwortet werden können.
Ach ist das schön.
Interlife - die die ganze Welt umarmt.

Kampfanzug im Einsatz

Da bin ich nun wieder.

Und?

Interlife grinst über das ganze Gesicht.

Selten war ich so nervös und angespannt wie heute. An der Uni hab ich von morgens um 8 bist halb 12 eine halbe Packung Zigaretten gekauft und bin von einem Bein auf das andere gesprungen.
Zitternd und ängstlich ging ich die Stiegen zur Praxis hoch. Vor der Tür bleibe ich nochmals stehen. "OK, du kriegst das geritzt. Wenn sie nicht tut was du willst kickst du ihr einfach in den Hintern".
Ok. Türe auf, Interlife rein und freundliche Begrüßung der Sekretärin.
Dann folgte das warten und ich wartete lange. Fast eine ganze Stunde lang.
Das Wartezimmer.
An der Wand hängen Fotos vom Himalya, ein tibetischer Teppich liegt auf dem Boden. Hell und freundlich sieht alles aus. Überall stehen diese Kärtchen von den Neugeborenen. Es müssen etwa an die 3000 solcher Kärtchen gewesen sein.
Um mir die Zeit zu vertreiben und um vor lauter Nervosität nicht verrückt zu werden schaue ich mir den Stapel mit den Zeitschriften an. OK, was kann man in einer Gynokologenpraxis anderes erwarten? Überall Zeitschrifen übers Kinderkriegen. Nein, das hat mich recht wenig interessiert, also hab ich mich dann mit einem Stapel Zeitschriften über die neusten medizinischen Forschungsergebnisse zufrieden gegeben. Ja, Gebärmutterkrebszellen können durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Also passt auf ihr Frauen mit Gebärmutter! Sex kann Krebs verursachen, aber macht euch keine Sorgen. Die Ärzte haben eine Impfung entwickelt.

Die Ärztin kommt in das Zimmer und schüttelt mir die Hand.
"Hallo 'Interlife'! Lange nicht gesehen. Wie geht es dir? Hast du eine Vorsorgeuntersucheng"
"Auch Hallo. Nein, ich bin zu einem Beratungsgespräch hier"
"Ok, noch fünf Minuten und wir können loslegen"

Ich warte weiter und weiter. Im Wartezimmer dudelt Panflötenmusik. Ich wusste gar nicht, wie sehr ich eigentlich Panflöten hasse. Ist ja auch Pseudo-Harmonisches Instrument. Da ist nichts mit Panflöten-Headbanging.

Entlich werde ich aufgerufen.
Nochmals förmliches Händeschütteln und ein bisschen Smaltalk und was ich jetzt eigentlich möchte.

Natürlich war sie total unvorbereitet und hat mehr als einmal "Äh..." gesagt. Und ich war auch ziemlich verwundert, dass sie nicht wusste, ob ich nun eine komplette Androgen Resitenz habe oder eine partielle.
Auf alles was ich sage steigt sie voll ein und sagt immer, dass WIR das schon hinkriegen und sie mir gerne Hilft an meine Krankenakte zu kommen und so weiter.
So gefällt das Interlife. Ganz schön artig diese Ärztin. Sie hat zwar von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber sie ist sehr Kooperationsbereit.

Dann frage ich noch, ob es vielleicht eine Möglichkeit gibt andere Intersexuelle Menschen in meinem Bundesland aus der Versenkung zu holen und ihnen einen Gedankenaustausch anzubieten (ja, das hatte ich wirklich schön so formuliert) und sie bietet mir an, bei der nächsten Fachtagung ihrer Arbeitskollegen mal nachzufragen und sie wird auch dabei gleich noch die XY-Frauen Flayer unter das Volk bringen.

Ich bin ja so was von stolz auf mich.
Nächste Woche kommen die Unterlagen von der Klinik und dann weiß ich wie es mit mir ausschaut und ob ich jetzt Testosteron nehmen kann oder nicht.
Ha, mein Kampfanzug hat es voll gebracht.
Meine Nerven lagen so was von blank.... und jetzt könnte ich wieder Bäume ausreißen.

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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