Dienstag, 12. April 2005

Bekenntnisse

Ok, owohl ich kein Geld habe, hab ich sie gekauft.
Sie hat geschrien und getobt, dass ich sie doch kaufen solle.
Wie könnte ich da noch nein sagen.
Ich Bekenne mich Schuldig - ich mag sie einfach, diese Deutschschprachige Musik mit ihren einfachen und doch so komplexen Texten, dass man Stunden darüber nachdenken könnte.
Kante, Blumfeld, Tocotronic und wie sie alle heisen.
Sie sind mir sympathisch und sie sind meine emotionalen Verstärker, wenn ich wieder einmal nichts spüre.

kante

Damals...

Ich war 17 oder 18 und es war ein wunderbarer Sommertag.
Meine Emotionen waren auf ein dumpfes Pochen zusammen geschrumpft. Das ich überhaupt noch Lebe schien ich gar nicht mehr zu spüren.
Ja! Spüren. Ich wollte meinen Schmerz spüren oder wollte ich echte Schmerzen spüren?
Eigentlich fühlte ich gar nichts mehr. Mein emotionales Empfinden hing in der Warteschleife hinter dem Hypothalamus. Flennen und selbst Bemitleiden - so sah mein Tagesablauf aus.

Damit ich nochmal so richtig "fühlen" kann, wollte ich mir selber Schmerzen zufügen. Ein Messer lag auf der Ablage in der Küche. Ich ergriff es und fing an mir in den Arm zu rizen. Immer tiefer und tiefer. Es schmerzte höllisch, aber ich biss die Zähne zusammen. Das warme Blut tropfte langsam und gemächlich zu Boden nachdem es sich mein Handgelenk hinunter geschlängelt hatte.
Ja, ich war noch ein Mensch, ich fühlte noch, ich konnte noch Schmerzen empfinden. Die Welt war noch in Ordnung.
Nach dem Schneiden hab ich dann nochmal ne Zigarette auf meinem Arm ausgedrückt.

Das war ne kranke Zeit.
Die Narben aus dieser Zeit habe ich immer noch.
Sie sind das Monument meiner eigenen Grausamkeit. Der Beweis dafür, dass, egal wie Gefühlstot ich doch bin, mein Gehirn körperlichen Schmerz immer noch empfinden kann.

Wie es war....

Damals mit elf oder zehn, ich weiß es nicht mehr so genau, als sie mir meine Hoden in der Uniklinik Innsbruck, aus meinem Bauchraum rausgeschnepfelt haben, lag da noch ein Mädchen neben mir im Zimmer.

Wir waren sowieso die zwei einzigen Mädels auf der Station, das hat mich schon mit elf gewundert. Lag es vielleicht daran, dass es die Kinderurologie war? :)

Ich war starr vor angst, atmete flach und war verkrampft in meinen Bewegungen. So geht es mir noch heute wenn ich Weißkittel sehe, doch eigentlich hab ich gar kein Recht mich zu beklagen.
In den 3 Tagen, die ich im Krankenhaus verbrachte, lag dieses Mädchen bewegungslos neben mir und röchelte nur so vor sich hin vor lauter Schmerz. Sie tat mir leid.

Sie war, so weit ich mich erinnern konnte, ein Flüchtlingskind aus Jugoslawien. Unten rum, war sie dick in Verband eingepackt und haufenweise Schläuche mit Wundwasser hingen an ihrem kleinen Körper.

Wie war ich froh, als ich aus der Narkose aufwachte und nur eine Infusionsflasche über mir sah.
Ich öffnete die Augen und sah meine Mutter neben mir am Bett.

Sie verliert die Beherrschung als sie mich sieht, beginnt zu weinen.
"Warum weinst du? Es ist doch alles gut?"
"Nichts ist gut, aber das verstehtst du noch nicht!"

Naja, ich wusste nicht, was man mir da rausgenommen hatte und es war mir eigentlich auch scheiß egal. Ich war froh, dass ich keine Schmerzen hatte.

Was aus dem Mädchen neben mir geworden ist?
Sie schluchzte und röchelte immer noch vor lauter Schmerzen, als ich aus dem Krankehaus entlassen wurde.
Traurige Sache, am liebsten hätte ich sie mitgenommen.

...

Dieses Gefühl der Einsamkeit, des ständigen alleine sein nagt. Es nagt und nagt und nagt. Es nagt sogar jetzt um halb zwei in der Nacht. Es nagt so sehr, dass ich nicht schlafen kann und hier schreibe, obwohl ich doch morgen so früh aufstehen sollte.
Was ist geschehen? Wo sind sie nur hin die Freunde die einen gehalten haben und einem gesagt haben, dass sich alles wieder einrenkt.
Wo sind sie nur hin diese Freunde, die ich früher um die Zeit noch anrufen konnte?
Was mach ich eigentlich noch hier?
Warum lebe ich eigentlich noch? Es führt eh alles zu nix und ich vegitiere so vor mich hin.
Es wäre so leicht einen Schlußstrich zu ziehen, so leicht und soverantwortungslos.

Ist hier jemand der mich retten will?
Eh nicht. Ich geh schlafen. Vielleicht wache ich morgen einfach nicht auf. Wäre mir auch egal.
Früher hab ich mir immer gewünscht am Morgen in einem anderen Leben auzuwachen. Heute wünsche ich mir einfach gar nicht mehr auzuwachen.
Jaja, ich weiß, es gehört sich nicht sich selbst zu bemitleiden.....
Scheiß drauf, ich tu es trotzdem.
Gute Nacht. Bis morgen.

...

Manchmal wünsche ich mir, dass mich einfach jemand umarmt und mir sagt, dass alles wieder gut wird. Ich habe Angst.

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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