Sonntag, 27. Februar 2005

Teil 8 - Einstellungen

Etwas hat sich in den letzten Monaten grundlegend verändert.
Vielleicht liegt es ja an meiner Chatsucht die ich entwickelt habe und mich jeden Abend vor den Computer zieht oder es kommt doch vom bloggen.


Als ich im November erfahren habe, dass es einen Chatroom gibt, der auch regelmäßig von den Betroffenen genutzt wird um sich auszutauschen, konnte ich mich kaum halten. Endlich mal mit anderen in Echtzeit reden und dabei auch noch die Anonymität waren. Das mit der Anonymität verwarf ich schon nach 5 Minuten, wenn kümmerte es schon.
Dieser Austausch hat meine grundlegenden Ansichten ziemlich durcheinander geschüttelt. Eigentlich ist nichts mehr so wie vorher. Wenn ich jemanden von meiner Intersexualität erzähle, tu ich das jetzt ganz nüchtern und lach mir dabei ins Fäustchen, wenn mein Gegenüber vor lauter Entsetzten, dass es so etwas überhaupt gibt, den Mund nicht mehr zubringt.
Früher habe ich nur mit ganz guten Freunden darüber geredet. Mittlerweile sind es aber auch Leute, die man in einem Lokal kennen lernt oder eben irgendwo anders. Ich bin lockerer im Umgang geworden. Sehe das ganze nicht mehr so eng wie früher. Man kann sagen, dass ich angefangen habe meine Intersexualität zu leben und nicht mehr zu verstecken und damit geht es gleich ein ganzes Stück besser.

Nichts tut einem mehr gut als die Wahrheit!!!

Ich habe mich die letzten Monate sehr intensiv mit mir selbst auseinander gesetzt und eingeleitet wurde das ganze durch den Chat. Zu hören was andere, die mit den gleichen Problemen kämpfen, an einem x beliebigen Tag erlebt haben, schafft eine tiefe Verbundenheit und Solidarität. Man fühlt sich schon fast unbesiegbar, denn man weiß, dass es Leute gibt die zu einem halten. Das tun meine "Normalo" Freunde ja auch, aber wie das eben so ist, werden sie mich nie ganz verstehen können und daran kann ich eigentlich nichts ändern. Da treffen einfach Welten aufeinander.
Was ich ändern kann, ist dass sie mich ein Stückchen mehr verstehen, in dem ich sie an meinen Gedanken teilhaben lassen, aber meine Gedanken nachvollziehen.... nein, geht nicht! Am meisten ärgert mich, dass meine Intersexualität als Krankheit erachtet wird. Bin ich krank? Fühle ich mich krank? Nein! Ja, bin ich denn dann krank? Intersexualität war für mich früher ein großes Problem, mittlerweile ist es wirklich so, wie es auch viele andere Betroffene beschreiben, es ist ein Seins-Zustand.

Und damit ist die Sonntagspredigt beendet!

Living Intersex?!

Zwischen weiblich und männlich liegt die Unendlichkeit!

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